Was passiert im Huf bei Hufrehe?

Die Huflederhaut ist ein hochdurchblutetes Bindegewebe zwischen Hufbein und Hornkapsel. Sie besteht aus etwa 550–600 primären Lamellen pro Huf, jede davon mit 100–200 Sekundärlamellen - insgesamt zehntausende Verbindungspunkte, die das Hufbein wie ein Klettverschluss in der Hornkapsel verankern und das gesamte Gewicht des Pferdes tragen [4]. Bei einer Hufrehe schwillt die Huflederhaut stark an, wodurch die Blutzirkulation gestört wird. Da sich die Schwellung unter der starren Hornkapsel nicht ausbreiten kann, entsteht ein schmerzhafter Druck. Durch die fehlende Durchblutung wird die Lederhaut nicht mehr mit Nährstoffen versorgt, der Verhornungsprozess stoppt teilweise oder vollständig, und die Verbindung zwischen Hufbein und Hornkapsel löst sich [4].

Das nun nicht mehr sicher verankerte Hufbein kann durch das Gewicht des Pferdes und die Zugkraft der tiefen Beugesehne nach unten absinken oder um die eigene Achse rotieren [5]. Genau diese mechanischen Veränderungen machen die Hufrehe so gefährlich - und so schmerzhaft.

Ursachen: Warum entsteht Hufrehe?

Die häufigste Ursache für Hufrehe ist die Insulinresistenz - das zentrale Merkmal des Equinen Metabolischen Syndroms (EMS) [3]. Übergewicht und Adipositas stellen die Hauptrisikofaktoren für EMS dar [1]. Pferde mit EMS zeigen oft lokale Fettablagerungen am Mähnenkamm, an den Schultern und am Schweifansatz, selbst wenn sie nicht generell übergewichtig sind. Insulinresistenz führt zu chronisch erhöhten Insulinspiegeln im Blut, und genau diese Hyperinsulinämie gilt als direkter Auslöser der Hufrehe [2].

Weitere Ursachen sind das Equine Cushing-Syndrom (PPID), übermäßige Futteraufnahme - besonders von Kohlenhydraten wie Fruktanen im Frühjahrs- und Herbstgras -, Toxine im Blut bei systemischen Erkrankungen wie Kolik, Durchfall oder Nachgeburtsverhaltung, mechanische Überbelastung (Belastungsrehe) sowie Vergiftungen - etwa durch Späne aus Schwarznussholz als Einstreu (Black Walnut Shavings) oder Eicheln in größeren Mengen [5].

Besonders anfällig sind Robustpferde-Typen wie Ponys, Shetlandponys, Isländer und Fjordpferde sowie genetisch zur Insulindysregulation neigende Rassen wie Morgan Horse oder bestimmte Quarter Horses [6]. Diese Pferde und Ponys werden häufig als „leichtfuttrig" oder „gute Futterverwerter" beschrieben - genetisch bedingte Eigenschaften, die in freier Wildbahn Überlebensvorteile boten, in der modernen Haltung aber zum Verhängnis werden können.

Früherkennung: Diese Warnsignale solltest du kennen

Viele Pferdebesitzer erkennen eine beginnende Hufrehe nicht rechtzeitig. In einer britischen Studie erkannten 45,2 Prozent der Besitzer die Erkrankung bei ihrem Pferd nicht frühzeitig [7]. Die wichtigsten Frühsymptome:

Verstärkter digitaler Puls an den Zehenarterien: Ein verstärkter oder „pulsierender" digitaler Puls in beiden Vorderbeinen ist ein wichtiges Frühwarnsignal. Bei gesunden Pferden ist der Puls an den Zehenarterien oft kaum zu ertasten. Wird er stark und deutlich fühlbar, deutet das auf eine Entzündung im Huf hin.

So tastest du den Puls richtig:

  • Hocke dich seitlich neben das Vorderbein deines Pferdes.
  • Taste mit Zeige- und Mittelfinger (niemals mit dem Daumen, sonst spürst du deinen eigenen Puls!) am Fesselgelenk entlang der Rückseite - dort verläuft die Zehenarterie in einer Rinne zwischen Beugesehne und Fesselträger.
  • Drücke sanft und streiche seitlich, bis du ein schnurartiges Gefäßbündel unter den Fingern spürst.
  • Normal ist ein dezenter, schwer zu findender Puls. Alarmierend ist ein kräftig pochender, „pulsierender" oder „springender" Puls, den du mühelos fühlen kannst - besonders wenn er in beiden Vorderbeinen gleichzeitig auftritt.

Weitere Frühwarnzeichen:

  • Warme bis heiße Hufe, besonders am Kronrand fühlbar
  • Vorsichtiger, steifer, klamm wirkender Gang, besonders auf hartem Boden
  • Pferd verlagert das Gewicht häufig von einem Bein aufs andere („weight shifting")
  • Unwilligkeit, Wendungen zu machen oder bergab zu gehen
  • Fühlbare oder sichtbare Ringe an der Hufwand (bei wiederkehrenden Schüben)

Bei akuter Hufrehe verschärfen sich die Symptome dramatisch: Das Pferd zeigt die typische Sägebockstellung mit weit nach vorne gestellten Vorderbeinen und weit unter den Körper geschobenen Hinterbeinen, um die schmerzenden Zehen zu entlasten. Es fußt auf den Trachten auf (Trachtenfußung), bewegt sich nur noch widerwillig oder gar nicht mehr, zeigt deutliche Lahmheit und liegt viel [5].

Diagnose und Prognose

Die Diagnose erfolgt durch klinische Untersuchung, Hufzangenprobe und Röntgenaufnahmen aller betroffenen Hufe. Röntgenbilder zeigen, ob und wie stark das Hufbein bereits rotiert oder abgesunken ist - das ist entscheidend für die Prognosestellung [5]. Gemessen wird dabei der Winkel zwischen Hufbeinvorderkante und Dorsalwand der Hornkapsel: Je größer die Abweichung, desto schwerer der Reheschub und desto vorsichtiger die Prognose [5].

Röntgenbild eines Pferdehufes mit typischer Hufbeinrotation bei Hufrehe - seitliche Aufnahme mit Markierungen
Seitliches Röntgenbild eines Pferdehufes mit typischer Hufbeinrotation: Das Hufbein hat sich von der Dorsalwand der Hornkapsel gelöst und ist nach unten rotiert. Die Metallmarker an der Hufwand dienen der exakten Winkelvermessung.

Das Venogramm: Blutversorgung im Huf sichtbar machen

Während Röntgenbilder die knöcherne Situation zeigen, liefert das Venogramm (digitale Venographie) Informationen über die Durchblutung der Huflederhaut - und damit über die Vitalität des Gewebes, das den Huf zusammenhält [5]. Bei der Untersuchung wird ein jodhaltiges Kontrastmittel in die digitale Vene am Fesselgelenk injiziert, während eine Staumanschette den Rückfluss blockiert. Die anschließende Röntgenaufnahme macht das Gefäßnetz im Huf sichtbar.

Ein gesunder Huf zeigt eine gleichmäßige, dichte Kontrastmittelfüllung bis in die Hufspitze. Bei Hufrehe hingegen erscheinen typische Perfusionslücken: Bereiche, in denen die Blutversorgung unterbrochen ist - genau dort, wo die Huflederhaut geschädigt wurde [5]. Je ausgedehnter diese Lücken, desto schwerer der Schaden. Das Venogramm hilft dem Tierarzt dabei, den tatsächlichen Zustand der Lamellen zu beurteilen, eine genauere Prognose zu stellen und die Hufbearbeitung gezielt anzupassen [5]. Es ist besonders wertvoll in der chronischen Phase, wenn über den weiteren Therapieweg entschieden werden muss.

Prognose - realistisch, aber mit Handlungsspielraum:

Pferde mit schneller Diagnose und geringgradiger Hufbeinrotation haben gute Heilungschancen und können nach erfolgreicher Therapie wieder als Sport- oder Freizeitpferd eingesetzt werden [5]. Je früher die Therapie eingeleitet wird, desto besser stehen die Chancen für eine erfolgreiche Heilung [5].

Die Kehrseite: In einer britischen Kohortenstudie waren Hufrehe-Folgen einer der häufigsten Gründe für Euthanasie bei den teilnehmenden Pferden [6]. Die Wahrscheinlichkeit eines schweren Verlaufs hängt unter anderem vom Zeitpunkt der Diagnose, der Schwere der Hufbeinverschiebung und der Vornutzung des Pferdes ab. Diese Zahlen unterstreichen, wie wichtig Früherkennung und konsequente Prävention sind. Je früher du auf Warnsignale wie verstärkte Pulsation und klammen Gang achtest, desto besser steht es um dein Pferd.

Therapie: Was tun im Akutfall?

Hufrehe ist ein absoluter tiermedizinischer Notfall. Kontaktiere sofort deinen Tierarzt, wenn du den Verdacht hast. Bis zum Eintreffen des Tierarztes:

  • Stelle dein Pferd in eine Box mit weichem, tiefem Untergrund (mindestens 20 cm Torf, Sand oder Späne), damit die Hufe einsinken und der Strahl unterstützt wird [4].
  • Kühle die Hufe (Wasserschlauch, Eisbeutel) - Kühlung lindert Schmerz und Entzündung.
  • Füttere kein Kraftfutter, Brot oder Leckerlis - nur zuckerarmes Heu in kleinen Mengen.

Die tierärztliche Akuttherapie umfasst Schmerzmedikation (nichtsteroidale Entzündungshemmer wie Flunixin, Phenylbutazon), durchblutungsfördernde Maßnahmen, orthopädische Hufversorgung (z. B. mit Strahlpolstern, Kunststoffkeilen oder speziellen Rehebeschlägen) und die Behandlung der Grunderkrankung - insbesondere das Management von Insulinresistenz und Übergewicht [5].

Prävention: So schützt du dein Pferd

Nicht alle Hufrehefälle lassen sich verhindern, aber du kannst das Risiko erheblich senken:

Gewichtsmanagement: Halte dein Pferd in guter Körperkondition - Rippen sollten fühlbar, aber nicht sichtbar sein. Übergewicht ist der größte Risikofaktor.

Kontrollierte Weidezeiten: Begrenze den Weidegang im Frühjahr und Herbst, wenn der Fruktangehalt im Gras besonders hoch ist. Nutze bei Risikopferden eine Fressbremse.

Zuckerarme Fütterung: Füttere heubasiert und analysiere bei Bedarf den Zuckergehalt deines Heus. Einweichen kann den WSC-Gehalt senken - wie stark, ist aber sehr heuabhängig: manche Chargen bleiben auch nach Stunden über dem 10 %-TM-Grenzwert. Lass im Zweifel vor und nach dem Einweichen analysieren, eine Faustregel wie „60 Minuten reicht" ist zu ungenau. Wie weit die Reduktion gehen muss, wann sie überhaupt nötig ist und welche Futtermittel sich dafür eignen, steht im Artikel Kohlenhydratarme Pferdefütterung: Was NSC-Reduktion bedeutet und wann sie nötig ist.

Regelmäßige Hufpflege: Gute, physiologische Hufbearbeitung durch einen kompetenten Hufschmied oder Hufpfleger alle 6–8 Wochen.

Überwachung von Risikopferden: Lasse bei Ponys, leichtfuttrigen Rassen und übergewichtigen Pferden regelmäßig Bluttests auf Insulinresistenz und EMS durchführen.

Bewegung: Ein angemessenes Trainingsprogramm verbessert die Insulinregulation und verringert das Risiko [3].

Ergänzende Fütterung: Nährstoffe für gesunde Hufe

Eine hochwertige Hufqualität kann das Risiko und die Folgen chronischer Hufrehe abmildern. Mehrere Nährstoffe sind für Hornbildung und Stoffwechselstabilität gut belegt:

Biotin: Der bekannteste Wirkstoff für die Hornqualität. Studien zeigen, dass Biotin die Hufhornbildung bei Pferden mit schlechter Hornqualität verbessert. Typische Dosierung: 15–30 mg pro Tag über mindestens 6–9 Monate. Biotin wirkt erst langfristig.

Zink und Kupfer: Diese Spurenelemente sind essenziell für die Keratinbildung und die Stabilität der Hornstrukturen. Ein Ungleichgewicht - oft durch Überschuss an Eisen im Grundfutter - kann die Hornqualität verschlechtern. Achte auf ein ausgewogenes Verhältnis (Zink : Kupfer etwa 3–4 : 1).

Magnesium: Bei Pferden mit Insulinresistenz kann eine Magnesiumsupplementierung die Insulinregulation unterstützen. Magnesium ist an über 300 Stoffwechselprozessen beteiligt, darunter der Glukosestoffwechsel. Empfohlene Form: Magnesiumoxid oder organisch gebundenes Magnesium.

Omega-3-Fettsäuren (z. B. aus Leinsamen): Entzündungshemmende Eigenschaften, die bei chronischen Entzündungsprozessen unterstützend wirken können.

Wichtig: Supplemente ersetzen keine Basisversorgung. Die Grundlage ist immer eine bedarfsgerechte, zuckerarme Fütterung. Besprich eine Supplementierung bei stoffwechselkranken oder rehegefährdeten Pferden mit deinem Tierarzt oder einem spezialisierten Ernährungsberater.

Fazit

Hufrehe ist eine ernste, schmerzhafte Erkrankung - aber mit Wissen, Wachsamkeit und schnellem Handeln kannst du die Chancen deines Pferdes auf Heilung und Lebensqualität erheblich verbessern. Lerne die Frühwarnzeichen kennen, taste regelmäßig den digitalen Puls, achte auf warme Hufe und veränderte Bewegungsmuster. Bei Verdacht zögere nicht: Jede Stunde zählt. Prävention durch Gewichtsmanagement, kontrollierte Weidezeiten und regelmäßige Hufpflege bleibt der beste Schutz vor dieser verheerenden Erkrankung.

Häufige Fragen zu Hufrehe beim Pferd

Wie entsteht Hufrehe beim Pferd?

Bei einer Hufrehe schwillt die Huflederhaut zwischen Hufbein und Hornkapsel stark an, wodurch die Blutzirkulation gestört wird [4]. Weil sich die Schwellung unter der starren Hornkapsel nicht ausbreiten kann, entsteht schmerzhafter Druck, und die unterversorgte Lederhaut verliert ihre Verankerungsfunktion [4]. In der Folge kann sich die Verbindung zwischen Hufbein und Hornkapsel lösen, sodass das Hufbein durch das Gewicht und die Zugkraft der tiefen Beugesehne absinken oder rotieren kann [5].

Warum bekommen Pferde Hufrehe?

Die häufigste Ursache ist die Insulinresistenz, das zentrale Merkmal des Equinen Metabolischen Syndroms, wobei Übergewicht den größten Risikofaktor darstellt [3][1]. Chronisch erhöhte Insulinspiegel im Blut gelten als direkter Auslöser der Hufrehe [2]. Weitere Ursachen sind das Equine Cushing-Syndrom, übermäßige Aufnahme von Kohlenhydraten wie Fruktanen aus dem Gras, Toxine bei Erkrankungen wie Kolik oder Durchfall, mechanische Überbelastung sowie Vergiftungen, etwa durch Eicheln in größeren Mengen [5].

Kann jedes Pferd Hufrehe bekommen?

Grundsätzlich kann Hufrehe viele Pferde treffen, besonders anfällig sind aber Robustpferde-Typen wie Ponys, Shetlandponys, Isländer und Fjordpferde sowie genetisch zur Insulindysregulation neigende Rassen wie das Morgan Horse oder bestimmte Quarter Horses [6]. Diese Pferde gelten oft als „leichtfuttrig" oder „gute Futterverwerter", was in freier Wildbahn ein Vorteil war, in der modernen Haltung aber zum Risiko werden kann. Übergewichtige Pferde und solche mit EMS sind unabhängig von der Rasse besonders gefährdet [1].

Wie erkenne ich Hufrehe beim Pferd?

Ein wichtiges Frühwarnsignal ist ein verstärkter, deutlich fühlbarer digitaler Puls an den Zehenarterien, besonders wenn er in beiden Vorderbeinen gleichzeitig auftritt. Weitere Zeichen sind warme bis heiße Hufe, ein vorsichtiger und klammer Gang auf hartem Boden, häufiges Verlagern des Gewichts von einem Bein aufs andere und Unwilligkeit bei Wendungen oder bergab. Bei akuter Hufrehe zeigt dein Pferd die typische Sägebockstellung mit weit nach vorne gestellten Vorderbeinen, fußt auf den Trachten auf und liegt viel [5].

Was tun bei Hufrehe beim Pferd?

Hufrehe ist ein absoluter tiermedizinischer Notfall, kontaktiere bei Verdacht sofort deinen Tierarzt. Bis er eintrifft, stelle dein Pferd auf weichen, tiefen Untergrund von mindestens 20 cm Torf, Sand oder Spänen, damit die Hufe einsinken und der Strahl unterstützt wird [4]. Kühle die Hufe mit Wasserschlauch oder Eisbeutel, das lindert Schmerz und Entzündung. Füttere nur zuckerarmes Heu in kleinen Mengen, kein Kraftfutter, Brot oder Leckerlis.

Welche Medikamente und Schmerzmittel gibt der Tierarzt bei Hufrehe?

Die tierärztliche Akuttherapie umfasst eine Schmerzmedikation mit nichtsteroidalen Entzündungshemmern wie Flunixin oder Phenylbutazon [5]. Dazu kommen durchblutungsfördernde Maßnahmen, eine orthopädische Hufversorgung etwa mit Strahlpolstern, Kunststoffkeilen oder speziellen Rehebeschlägen sowie die Behandlung der Grunderkrankung, insbesondere das Management von Insulinresistenz und Übergewicht [5]. Dosierungen und die Auswahl der Mittel gehören immer in die Hand deines Tierarztes.

Ist Hufrehe beim Pferd heilbar?

Pferde mit schneller Diagnose und geringgradiger Hufbeinrotation haben gute Heilungschancen und können nach erfolgreicher Therapie wieder als Sport- oder Freizeitpferd eingesetzt werden [5]. Je früher die Therapie eingeleitet wird, desto besser stehen die Chancen auf eine erfolgreiche Heilung [5]. In einer britischen Kohortenstudie waren Hufrehe-Folgen allerdings einer der häufigsten Gründe für Euthanasie bei den teilnehmenden Pferden [6]. Das unterstreicht, wie entscheidend Früherkennung ist, und solche Entscheidungen gehören immer in ein Gespräch mit deinem Tierarzt.

Welche Kräuter oder Globuli helfen bei Hufrehe?

Für Kräuter oder Globuli bei Hufrehe liegt in den hier ausgewerteten Quellen kein Wirkungsnachweis vor, und Supplemente ersetzen grundsätzlich keine Basisversorgung. Belegt ist dagegen, dass Biotin bei schlechter Hornqualität die Hufhornbildung langfristig verbessern kann, akut hilft es nicht. Da Hufrehe ein Notfall ist, ersetzt nichts davon die sofortige tierärztliche Behandlung, und eine Supplementierung bei rehegefährdeten Pferden solltest du mit deinem Tierarzt oder einem spezialisierten Ernährungsberater besprechen.

Was dürfen Pferde mit Hufrehe fressen?

Im Akutfall solltest du nur zuckerarmes Heu in kleinen Mengen füttern und auf Kraftfutter, Brot und Leckerlis verzichten. Grundlage ist generell eine bedarfsgerechte, zuckerarme und heubasierte Fütterung, bei Bedarf lässt sich der Zuckergehalt des Heus analysieren. Einweichen kann den WSC-Gehalt senken, wie stark, ist aber sehr heuabhängig, sodass manche Chargen auch nach Stunden über dem 10-Prozent-Grenzwert bleiben. Lass deshalb im Zweifel vor und nach dem Einweichen analysieren, eine Faustregel wie „60 Minuten reicht" ist zu ungenau.

Wie viel Bewegung ist bei einem Pferd mit Hufrehe sinnvoll?

Im Akutfall gehört dein Pferd in eine Box mit weichem, tiefem Untergrund, damit die Hufe einsinken und der Strahl unterstützt wird [4]. Bewegung spielt vor allem in der Prävention eine Rolle: Ein angemessenes Trainingsprogramm verbessert die Insulinregulation und verringert das Risiko [3]. Wann und wie dein Pferd nach einem Schub wieder bewegt werden darf, hängt vom Einzelfall ab und gehört in die Absprache mit deinem Tierarzt.

Quellen

  1. [1] Johnson PJ et al. - Laminitis and the equine metabolic syndrome. Vet Clin North Am Equine Pract 2010. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/20699172/
  2. [2] McGowan CM - Equine metabolic syndrome. In Practice 2015. https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC4552932/
  3. [3] Durham AE et al. - ECEIM consensus statement on equine metabolic syndrome. J Vet Intern Med 2019. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/30724412/
  4. [4] Pollitt CC. - The anatomy and physiology of the suspensory apparatus of the distal phalanx. Vet Clin North Am Equine Pract. 2010;26(1):29–49. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/20381734/
  5. [5] Belknap JK. - The pharmacologic basis for the treatment of developmental and acute laminitis. Vet Clin North Am Equine Pract. 2010;26(1):115–124. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/20381740/
  6. [6] Pollard D, Wylie CE, Newton JR, Verheyen KLP - Factors associated with euthanasia in horses and ponies enrolled in a laminitis cohort study in Great Britain. Prev Vet Med. 2020. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/31751854/
  7. [7] Pollard D, Wylie CE, Verheyen KLP, Newton JR. - Assessment of horse owners' ability to recognise equine laminitis: A cross-sectional study of 93 veterinary diagnosed cases in Great Britain. Equine Vet J. 2017;49(6):759–766. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/28543943/

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