Was ist Fruktan - und warum ist es gefährlich?

Fruktan ist ein Speicherzucker, den Gräser tagsüber bei Sonne über die Photosynthese aufbauen und nachts über Wachstum und Atmung wieder verbrauchen. Dafür braucht die Pflanze Wärme: Bleibt die Nacht kalt - unter etwa 5 °C - stoppt das Wachstum, der Zucker wird nicht abgebaut und reichert sich an. Fruktan und Einfachzucker steigen dabei unter denselben Bedingungen. Beim stoffwechselgesunden Pferd kann sehr viel Fruktan die Dickdarmflora aus dem Gleichgewicht bringen; bei Pferden mit EMS, Cushing (PPID) oder Rehe-Vorgeschichte ist der eigentliche Auslöser der Insulin-Anstieg nach zuckerreichem Gras. In beiden Fällen kann die Folge ein Hufrehe-Schub sein.

Wann ist das Risiko am höchsten?

Klassisch im Frühjahr und Herbst, nach kalten Nächten und sonnigen Tagen. Über den Tag steigt der Zuckergehalt mit der Sonne an und ist am späten Nachmittag am höchsten; nachts baut die Pflanze ihn wieder ab - aber nur, wenn es warm genug ist. Deshalb ist der frühe Morgen nach einer milden Nacht die sicherste Weidezeit, während nach einer Frostnacht der Zucker schon morgens hoch ist und den ganzen Tag hoch bleibt. Im Hochsommer mit warmen Nächten ist das Risiko meist deutlich geringer - außer bei Dürre, wenn gestresstes, kurzes Gras ebenfalls Zucker anreichert.

Wie nutze ich die Ampel?

Die fünf Inputs oben decken die Faktoren ab, die den klassischen Worst-Case ergeben: kalte Nacht + viel Sonne + später Nachmittag + Frühjahr + Risiko-Pferd ist der höchste Score. Bei Grün ist Weidegang in der Regel ok, bei Gelb kürzer und möglichst früh morgens raus, bei Rot lieber Heu auf dem Paddock oder Weide nur mit Fressbremse. Im EMS-Modus zeigt die Ampel nie Grün - bei Insulindysregulation gehört die Weidezeit immer mit der Tierärztin oder dem Tierarzt abgestimmt.

Die Ampel ersetzt keine fachliche Einschätzung - sie hilft dir, schnell ein Bauchgefühl zu prüfen. Mehr zum Weidestart im Frühjahr im Artikel Anweiden, zur zuckerarmen Ration unter Kohlenhydratarme Pferdefütterung.

Quellen

Watts, K. A. (2010): Pasture Management to Minimize the Risk of Equine Laminitis. Veterinary Clinics of North America: Equine Practice. - Longland, A. C. & Byrd, B. M. (2006): Pasture Nonstructural Carbohydrates and Equine Laminitis. Journal of Nutrition. - Durham, A. E. et al. (2019): ECEIM consensus statement on equine metabolic syndrome. Journal of Veterinary Internal Medicine 33(2), 335–349.