Was sind Sehnenschäden? Tendinitis, Desmitis und anatomische Grundlagen

Tendinitis bezeichnet die Entzündung einer Sehne, Desmitis die Entzündung eines Bandes (lateinisch ligamentum). Beim Pferd sind am häufigsten betroffen:

  • Oberflächliche Beugesehne (SDFT): verläuft an der Rückseite des Röhrbeins knapp unter der Haut, speichert Energie wie eine Feder und ist bei Rennpferden und Vielseitigkeitspferden besonders gefährdet [1][2].
  • Tiefe Beugesehne (DDFT): verläuft unter der SDFT, zieht über das Strahlbein ins Hufinnere und inseriert am Hufbein. Verletzungen hier sind oft komplexer und schwerer zu heilen [3].
  • Fesselträger (Suspensory Ligament, SL): streng genommen ein Band, funktionell aber ähnlich wie eine Sehne. Fesselträger-Desmitis ist hartnäckig und neigt zu langen Heilungszeiten.

Die SDFT ist anfälliger als die DDFT, weil sie während des Galopps extremer Dehnung nahe der Bruchgrenze ausgesetzt ist und in der Mitte des Röhrbeins durch ihre Energiespeicher-Funktion besonders belastet wird [2][3]. Genau dort entstehen die meisten Läsionen.

Ursachen: Warum sind Sehnen so verletzungsanfällig?

Sehnenverletzungen entstehen selten durch ein einzelnes Trauma. In den meisten Fällen ist es ein schleichender Prozess aus wiederholter Mikroschädigung, der schließlich in einer klinisch sichtbaren Läsion endet [1][2]. Die wichtigsten Risikofaktoren:

  • Kumulative Überlastung: Beim Galopp wird die SDFT bis nahe an ihre Bruchgrenze gedehnt - wiederholte Belastung ohne ausreichende Regeneration führt zu Mikrorissen [2].
  • Ermüdung tiefer Beugemuskeln: Wenn die tiefe Beugemuskulatur ermüdet, wird die SDFT überproportional belastet [4].
  • Alter und Degeneration: Mit zunehmendem Alter steigt der Anteil an Typ-III-Kollagen im Sehnenkern - ein Zeichen beginnender Degeneration [1].
  • Schlechter Untergrund: tiefe, unebene oder harte Böden erhöhen die Belastungsspitzen.
  • Unzureichendes Aufwärmen: Kalte Sehnen sind weniger elastisch und anfälliger für Faserschäden.
  • Beschlag-Probleme: unpassende Eisen oder zu lange Zehen verschieben die Belastungsachse.
  • Rasse-Disposition: Vollblüter und Warmblüter im Hochleistungssport sind überrepräsentiert, ebenso ältere Freizeitpferde durch altersbedingte Gewebeveränderungen.

Symptome: So erkennst du Sehnenschäden

Die klassischen Anzeichen einer akuten Tendinitis oder Desmitis:

  • Lahmheit: meist mild bis mittelgradig, kann nach 1–2 Tagen besser werden und trügerische Sicherheit vermitteln [4].
  • Schwellung und Wärme im Sehnenverlauf: am häufigsten im mittleren Drittel des Röhrbeins, die Kontur der Sehne erscheint verdickt - das klassische bowed tendon (bogige Sehne).
  • Druckschmerz: das Pferd reagiert beim Tasten entlang der Sehne, zieht das Bein weg oder zeigt Abwehrverhalten.
  • Dellenförmige Eindrückung: in schweren Fällen lässt sich die verletzte Stelle wie eine Delle eindrücken (Zeichen für Kernläsion mit Faserdisruption).
  • Verstärkte Pulsation der Zehenarterien (seitlich am Fesselkopf tastbar) - nicht spezifisch, aber oft präsent.

Wichtig: Manche Pferde zeigen trotz signifikanter Sehnenschädigung nur geringgradige Lahmheit oder bleiben sogar lahmfrei - in manchen Fällen ist es eher ein immer wieder auftretendes unrundes Gefühl beim Reiten, schlechte Anlehnung oder weniger Vorwärtsdrang. Ziehe bei Verdacht immer den Tierarzt hinzu, das Gangbild allein reicht nicht [4].

Diagnostik: Ultraschall als Goldstandard

Die klinische Untersuchung (Adspektion, Palpation, Lahmheitsuntersuchung) liefert erste Hinweise. Der diagnostische Goldstandard ist jedoch die Ultraschalluntersuchung der Sehnen:

  • Zeigt Faserdisruption, Kernläsionen, Schwellung, Flüssigkeitsansammlungen und den Grad der Schädigung.
  • Ermöglicht serielle Verlaufskontrollen - als Praxis-Faustregel alle 4–6 Wochen während der Reha. Der Heilungsfortschritt lässt sich so objektiv beurteilen.
  • MRI (Magnetresonanztomographie) wird ergänzend bei DDFT-Verletzungen im Hufbereich eingesetzt, wo Ultraschall an Grenzen stößt [6]. Bei SDFT-Tendinopathien kann MRI Signalveränderungen über den Heilungsverlauf darstellen und die Prognoseeinschätzung ergänzen [5].
  • Ultrasound Tissue Characterization (UTC): fortgeschrittene Technik, die Sehnenfasern in 3D darstellt und Narbengewebe quantifiziert - hilft, Reha-Programme noch präziser zu steuern.

Die Ultraschalluntersuchung muss wiederholt erfolgen und nicht nur einmal zu Beginn - Sehnen können sich äußerlich gut anfühlen, während im Inneren noch unreifes Gewebe ist. Nur mit regelmäßiger Bildgebung weißt du, wann der nächste Belastungsschritt sicher ist.

Therapie-Phasen: Akut, subakut, Rehabilitation

Sehnenheilung läuft in drei überlappenden Phasen ab: Entzündung (akut), Proliferation/Fibroplasie (subakut) und Remodeling (Rehabilitation/Monate bis Jahre). Jede Phase braucht angepasstes Management.

Akutphase (erste 2–4 Wochen)

Ziel: Entzündung kontrollieren, weitere Schädigung verhindern, Läsionsausbreitung stoppen.

  • Boxenruhe (strikte Stall-Confinement).
  • Kühlung (Cold Hosing, Ice Boots, Game Ready) - maximal 30 Minuten mehrfach täglich, um gesundes Gewebe nicht zu schädigen [4].
  • Druckverband: stabilisiert die Sehne, reduziert Ödem, schützt vor weiterer Überdehnung. Ein korrekt angelegter Druckverband kann in den ersten Tagen den Unterschied machen.
  • NSAIDs (nichtsteroidale Antiphlogistika wie Phenylbutazon, Flunixin): verschreibungspflichtig, nach tierärztlicher Verordnung. Dosierung gehört in die Hand des behandelnden Tierarztes. Bei Turnierpferden ADMR-Karenzzeiten beachten (Phenylbutazon 7 Tage, Flunixin 7 Tage).
  • Immobilisierung: In schweren Fällen kann eine Cast-Schiene (Kunststoff-Gips über dem Verband) die Gelenke ruhigstellen und die Sehne entlasten [4].

Achtung: Entzündung ist Teil des Heilungsprozesses (baut beschädigtes Gewebe ab) - sie darf gemildert, aber nicht komplett unterdrückt werden [4].

Subakute Phase (Wochen 4–12)

Ziel: kontrollierte Bewegung zur Förderung der Fibroplasie (Narbenbildung), Verhinderung von Adhäsionen (Verklebungen zwischen SDFT und DDFT).

  • Kontrolliertes Handführen: kurze Spaziergänge in geradem Schritt, keine Wendungen, keine Steigungen zunächst.
  • Regenerative Therapien können jetzt intralesional (direkt in die Läsion) appliziert werden:
    • PRP (Platelet-Rich Plasma): konzentrierte Blutplättchen mit Wachstumsfaktoren - moderate Evidenz für schnellere Füllung von Kernläsionen [9].
    • Stammzellen (mesenchymale Stammzellen aus Knochenmark oder Fettgewebe): In einer Studie an 168 Rennpferden nach BM-MSC-Behandlung lag die Rückfallrate bei 18 % gegenüber 56 % bei konventioneller Behandlung [8].
    • IRAP (Interleukin-1-Rezeptor-Antagonist-Protein): kann entzündungshemmend wirken und zur Reduktion der Lahmheit beitragen [11].
    • Stoßwellentherapie (ESWT): kann Vaskularisation fördern, aber Studienlage ist inkonsistent - Wirksamkeit noch nicht definitiv belegt. Bei Turnierpferden: ESWT ist in der FN-ADMR klassifiziert, Karenzzeit vor Wettkampf beachten.
  • Physikalische Therapien: therapeutischer Ultraschall (nicht diagnostisch!), Radiofrequenz-Therapie, Aquatraining.
Kinesiologie-Tape in Grün, Blau und Pink entlang der Beugesehne an der Rückseite des Röhrbeins eines Pferde-Vorderbeins - unterstützendes Sehnen-Taping in der Heilungsphase
Unterstützendes Sehnen-Taping: Die Tape-Streifen verlaufen entlang der Beugesehne an der Rückseite des Röhrbeins und können die Sehne in der Heilungsphase begleitend entlasten - ergänzend zu Boxenruhe, kontrollierter Bewegung und tierärztlichem Reha-Plan. Foto: © Vet-Taping.de - Carolin Caprano

Rehabilitationsphase (Monate 3–12+)

Ziel: gradueller Belastungsaufbau, Umstrukturierung des Narbengewebes entlang der Belastungslinien, Rückkehr zur vollen Leistungsfähigkeit.

  • Individuelles, wochenweise gestaffeltes Programm - entwickelt vom Tierarzt auf Basis serieller Ultraschall-Kontrollen.
  • Typischer Verlauf (kann stark variieren): Handführen → Longieren im Schritt → kurze Trab-Phasen → längere Trab-Arbeit → langsames Galoppieren (nicht vor Monat 12–16 bei SDFT-Läsionen) [4].
  • Aquatraining (Unterwasserlaufband, Schwimmen): Belastung ohne Überstreckung der Fessel - ideal für mittlere Reha-Phase.
  • Verlaufskontrollen alle 4–6 Wochen per Ultraschall: nur wenn die Läsion kleiner wird und Faserstruktur sich verbessert, darfst du den nächsten Schritt gehen.

Die Rehabilitation für die SDFT dauert mindestens 8–9 Monate, häufig 12–18 Monate, für DDFT und Fesselträger oft noch länger [4]. Zu früher Belastungsaufbau ist der häufigste Grund für Rückfälle.

Heilungsdauer und Prognose: Realistisch planen

Hier die gute Nachricht zuerst: Bei konsequentem Reha-Programm können viele Pferde ihre volle Leistungsfähigkeit zurückgewinnen. Eine Studie an 19 Cutting Horses (Quarter Horses, 3–6 Jahre, milde Läsionen mit im Mittel 30 % Querschnittsanteil und geringgradiger Lahmheit) zeigte, dass 94 % der nachverfolgbaren Pferde (16 von 17) zur vorherigen Aktivität zurückkehrten, bei einer Rückfallrate von 18 % (3 von 17) [4]. Die kurze Reha-Zeit von durchschnittlich 4 Monaten (Range 3–12) spiegelt primär die mildere Läsionscharakteristik wider. Bei Rennpferden liegen die Zahlen deutlich schlechter: In einer Studie des Hong Kong Jockey Club (n = 469) kehrten nur etwa 44 % zum Rennen zurück [10].

Realistische Zeitrahmen:

  • SDFT (oberflächliche Beugesehne): 6–12 Monate, bei schweren Läsionen bis 18 Monate [4].
  • DDFT (tiefe Beugesehne): oft länger als SDFT, da schlechter durchblutet und komplexere Anatomie [3][6][7].
  • Fesselträger-Desmitis: häufig hartnäckig, Rückfallneigung hoch - Geduld ist hier besonders wichtig. Von der degenerativen Form DSLD abzugrenzen.

Die Kehrseite: Sehnen heilen durch Narbengewebe (Fibrosis), nicht durch Regeneration von originalem Sehnengewebe [4]. Das Narbengewebe ist weniger elastisch und niemals so belastbar wie die ursprüngliche Sehne - daher bleibt ein erhöhtes Rückfallrisiko, wenn die Reha-Schritte übersprungen werden.

Prognostische Faktoren:

  • Läsionsgröße und -tiefe bei Erstdiagnose
  • Alter des Pferdes (ältere Pferde heilen langsamer)
  • Disziplin des Besitzers beim Reha-Programm
  • Qualität der regenerativen Therapien (wenn eingesetzt)
  • Regelmäßigkeit der Ultraschall-Verlaufskontrollen

Prävention: Sehnenschäden vorbeugen

  • Gutes Aufwärmen: mindestens 10–15 Minuten Schritt, bevor intensivere Arbeit beginnt - kalte Sehnen sind anfälliger.
  • Kontrollierter Trainingsaufbau: keine abrupten Belastungssteigerungen, Galopp- und Sprungarbeit graduell aufbauen.
  • Untergrund-Wahl: vermeide dauerhaft harten oder tiefen Boden, wechsle zwischen verschiedenen Untergründen.
  • Regelmäßiger Hufbeschlag: korrekte Zehenstellung und -länge entlasten die Beugesehnen.
  • Ausreichend Erholungsphasen: zwischen harten Trainingseinheiten oder Turnieren Zeit für Regeneration einplanen.
  • Frühwarnsystem Ultraschall: bei leichten Lahmheiten oder Schwellungen lieber einmal zu viel als zu wenig untersuchen lassen - früh erkannte Mikroschäden sind besser zu managen als manifeste Läsionen.

Ergänzende Fütterung: Nährstoffe für Sehnengesundheit

Die Studienlage zu Nährstoffen für Sehnenheilung beim Pferd ist begrenzt, einige Substanzen werden aber in der Praxis zur Unterstützung eingesetzt:

  • Kollagen-Peptide (Typ I): Sehnen bestehen zu über 90 % aus Typ-I-Kollagen. Ob oral zugeführte Kollagen-Peptide beim Pferd die Sehnenheilung verbessern, ist nicht abschließend belegt - kontrollierte Pferdestudien stehen aus.
  • Vitamin C (Ascorbinsäure): essenziell für die Kollagensynthese (Hydroxylierung von Prolin und Lysin). Pferde synthetisieren Vitamin C selbst in der Leber; eine Zufütterung ist bei ausgewogener Fütterung in der Regel nicht erforderlich.
  • MSM (Methylsulfonylmethan): organische Schwefelverbindung, die traditionell im Kontext der Bindegewebsunterstützung eingesetzt wird. Kontrollierte Pferdestudien fehlen.
  • Boswellia (Weihrauch): Boswelliasäuren werden traditionell zur Unterstützung bei chronischen Sehnen- und Gelenkproblemen eingesetzt. Die Evidenz beim Pferd ist begrenzt.
  • Mangan, Kupfer, Zink: Spurenelemente, die als Cofaktoren in der Kollagenvernetzung und -stabilisierung wirken - sollten in einer ausgewogenen Mineralfütterung enthalten sein, Einzelgaben nur nach Bedarfsanalyse.

Wichtig: Supplemente begleiten die Heilung, sie behandeln nichts. Die Basis bleibt immer: konsequente Boxenruhe, kontrollierter Belastungsaufbau, tierärztliche Betreuung. Sprich mit deinem Tierarzt, bevor du Supplemente einsetzt - besonders bei akuten Verletzungen.

Fazit

Sehnenschäden sind eine der größten Herausforderungen im Sportpferde-Management - aber kein Todesurteil für die Karriere deines Pferdes. Die oberflächliche Beugesehne ist hochgradig belastbar, heilt aber langsam und nie vollständig zum Original zurück. Früherkennung durch Ultraschall, konsequente Akutversorgung mit Kühlung und Druckverband, individuell abgestimmte Reha-Programme und vor allem Geduld sind die Schlüssel. Wenn du die Monate der Boxenruhe und des graduellen Trainingsaufbaus durchhältst und nicht zu früh wieder in den Sport einsteigst, hast du gute Chancen, dass dein Pferd vollständig belastbar wird und Rückfälle vermieden werden.

Häufige Fragen zu Sehnenschäden beim Pferd

Wie entsteht ein Sehnenschaden beim Pferd?

Sehnenverletzungen entstehen selten durch ein einzelnes Trauma, meist ist es ein schleichender Prozess aus wiederholter Mikroschädigung, der schließlich in einer sichtbaren Läsion endet [1][2]. Beim Galopp wird die oberflächliche Beugesehne bis nahe an ihre Bruchgrenze gedehnt, wiederholte Belastung ohne ausreichende Regeneration führt zu Mikrorissen [2]. Begünstigend wirken außerdem ermüdete tiefe Beugemuskeln [4], altersbedingte Degeneration des Gewebes [1], schlechter Untergrund, unzureichendes Aufwärmen und Beschlagprobleme.

Wie erkenne ich einen Sehnenschaden bei meinem Pferd?

Typische Anzeichen sind eine meist milde bis mittelgradige Lahmheit, die sich nach 1 bis 2 Tagen bessern und trügerische Sicherheit vermitteln kann [4], dazu Schwellung und Wärme im Sehnenverlauf, am häufigsten im mittleren Drittel des Röhrbeins. Beim Tasten entlang der Sehne reagiert das Pferd oft mit Druckschmerz, in schweren Fällen lässt sich die Stelle wie eine Delle eindrücken. Manche Pferde zeigen trotz deutlicher Schädigung nur geringe Lahmheit oder bleiben lahmfrei, manchmal ist es nur ein immer wieder unrundes Gefühl beim Reiten. Verlass dich deshalb nicht allein auf das Gangbild und zieh bei Verdacht immer den Tierarzt hinzu [4].

Wie wird ein Sehnenschaden beim Pferd festgestellt?

Die klinische Untersuchung aus Adspektion, Palpation und Lahmheitsuntersuchung liefert erste Hinweise, der diagnostische Goldstandard ist aber die Ultraschalluntersuchung der Sehnen. Sie zeigt Faserdisruption, Kernläsionen, Schwellung und den Grad der Schädigung und ermöglicht serielle Verlaufskontrollen, als Praxis-Faustregel alle 4 bis 6 Wochen während der Reha. Bei Verletzungen der tiefen Beugesehne im Hufbereich wird ergänzend ein MRI eingesetzt, wo der Ultraschall an Grenzen stößt [6]. Sehnen können sich äußerlich gut anfühlen, während im Inneren noch unreifes Gewebe ist, nur die wiederholte Bildgebung zeigt, wann der nächste Belastungsschritt sicher ist.

Wie lange soll ich bei einem Sehnenschaden kühlen?

In der Akutphase gehört Kühlung zur Behandlung, etwa über Cold Hosing, Ice Boots oder Game Ready, aber maximal 30 Minuten mehrfach täglich, um gesundes Gewebe nicht zu schädigen [4]. Wichtig ist, die Entzündung zu mildern, aber nicht komplett zu unterdrücken, denn sie ist Teil des Heilungsprozesses und baut beschädigtes Gewebe ab [4]. Ergänzend stabilisiert ein korrekt angelegter Druckverband die Sehne und reduziert das Ödem.

Was kann ich bei einem akuten Sehnenschaden tun?

In den ersten 2 bis 4 Wochen geht es darum, die Entzündung zu kontrollieren und weitere Schädigung zu verhindern: strikte Boxenruhe, kontrollierte Kühlung von maximal 30 Minuten mehrfach täglich und ein korrekt angelegter Druckverband [4]. Entzündungshemmer wie Phenylbutazon oder Flunixin sind verschreibungspflichtig und gehören mit der Dosierung in die Hand des behandelnden Tierarztes. In schweren Fällen kann eine Cast-Schiene die Gelenke ruhigstellen und die Sehne entlasten [4]. Zieh bei Verdacht möglichst früh den Tierarzt hinzu, denn eine frühe Diagnose per Ultraschall erleichtert das Management deutlich.

Wie lange dauert die Heilung eines Sehnenschadens beim Pferd?

Das hängt stark davon ab, welche Struktur betroffen ist: Die Rehabilitation der oberflächlichen Beugesehne dauert mindestens 8 bis 9 Monate, häufig 12 bis 18 Monate, langsames Galoppieren ist dabei oft nicht vor Monat 12 bis 16 vorgesehen [4]. Die tiefe Beugesehne braucht meist länger, weil sie schlechter durchblutet ist und eine komplexere Anatomie hat [3][6][7], und die Fesselträger-Desmitis ist häufig besonders hartnäckig. Der mit Abstand häufigste Grund für Rückfälle ist ein zu früher Belastungsaufbau, deshalb ist Geduld hier entscheidend.

Wie stehen die Heilungschancen bei einem Sehnenschaden?

Die gute Nachricht zuerst: Bei konsequentem Reha-Programm können viele Pferde ihre volle Leistungsfähigkeit zurückgewinnen. In einer Studie an 19 Cutting Horses mit eher milden Läsionen kehrten 94 % der nachverfolgbaren Pferde zur vorherigen Aktivität zurück, bei einer Rückfallrate von 18 % [4]. Bei Rennpferden sind die Zahlen deutlich schlechter, in einer Studie kehrten nur etwa 44 % zum Rennen zurück [10]. Sehnen heilen durch Narbengewebe und nicht durch Regeneration von originalem Sehnengewebe [4], dieses Gewebe ist weniger elastisch, deshalb bleibt bei übersprungenen Reha-Schritten ein erhöhtes Rückfallrisiko. Besprich das individuelle Vorgehen und die Prognose mit deinem Tierarzt.

Was sollte ich bei einem Sehnenschaden füttern?

Die Studienlage zu Nährstoffen für die Sehnenheilung beim Pferd ist begrenzt, einige Substanzen werden in der Praxis aber unterstützend eingesetzt. Kollagen-Peptide vom Typ I werden genannt, weil Sehnen zu über 90 % aus Typ-I-Kollagen bestehen, ob sie oral zugeführt die Heilung verbessern, ist jedoch nicht abschließend belegt. Spurenelemente wie Mangan, Kupfer und Zink wirken als Cofaktoren in der Kollagenvernetzung und sollten in einer ausgewogenen Mineralfütterung enthalten sein, Einzelgaben nur nach Bedarfsanalyse. Supplemente begleiten die Heilung, behandeln aber nichts, die Basis bleibt Boxenruhe, kontrollierter Belastungsaufbau und tierärztliche Betreuung, sprich vor dem Einsatz mit deinem Tierarzt.

Welche Kräuter helfen bei einem Sehnenschaden?

Boswellia, also Weihrauch, wird traditionell zur Unterstützung bei chronischen Sehnen- und Gelenkproblemen eingesetzt, die Evidenz beim Pferd ist jedoch begrenzt. Auch MSM, eine organische Schwefelverbindung, wird traditionell im Kontext der Bindegewebsunterstützung verwendet, kontrollierte Pferdestudien fehlen hier ebenfalls. Solche Supplemente können die Heilung höchstens begleiten, sie ersetzen weder Boxenruhe noch kontrollierten Belastungsaufbau und tierärztliche Betreuung. Sprich mit deinem Tierarzt, bevor du etwas einsetzt, besonders bei akuten Verletzungen.

Dieser Artikel ersetzt keine tierärztliche Beratung.

Quellen

  1. [1] Birch HL et al. - Age-related changes to the molecular and cellular components of equine flexor tendons. Equine Vet J 1999;31(5):391-6. PubMed
  2. [2] O'Brien C et al. - Microdamage in the equine superficial digital flexor tendon. Equine Vet J 2021. PubMed
  3. [3] Thorpe CT et al. - A review of tendon injury: why is the equine superficial digital flexor tendon most at risk? Equine Vet J 2010. PubMed
  4. [4] Tipton TE et al. - Superficial digital flexor tendonitis in cutting horses: 19 cases (2007–2011). J Am Vet Med Assoc 2013. JAVMA
  5. [5] Berner D et al. - Variation in the MRI signal intensity of naturally occurring equine SDFT tendinopathies over a 12-month period. Vet Rec 2020;187(7):e53. PubMed
  6. [6] Scharf A et al. - Magnetic resonance imaging for diagnosing and managing deep digital flexor tendinopathy in equine athletes. Equine Vet J 2025;57(5):1183-1203. PubMed
  7. [7] Mair TS, Kinns J. - Deep digital flexor tendonitis in the equine foot diagnosed by low-field MRI. Vet Radiol Ultrasound 2005;46(6):458-66. PubMed
  8. [8] Smith RKW. - Mesenchymal stem cell therapy for equine tendinopathy. Vet J 2008;178(2):165-72. PubMed
  9. [9] Bosch G et al. - Effects of platelet-rich plasma on the quality of repair of mechanically induced core lesions in equine SDFT. J Vet Med A 2010. PubMed
  10. [10] Alzola R et al. - Risk factors for injuries of the SDFT in Thoroughbred racehorses in Hong Kong. Vet J 2018;234:46-51. PubMed
  11. [11] Lasarzik J et al. - Effect of IRAP treatment on clinical and ultrasonographic findings in horses with SDFT tendinopathy. Pferdeheilkunde 2018. PubMed

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