Von null auf hochgradig lahm: das typische Bild
Charakteristisch ist, dass die akute Lahmheit nur ein Bein betrifft und rasch einsetzt. Tastest du die Zehenarterien ab, spürst du häufig eine deutlich vermehrte Pulsation, und der Huf fühlt sich im Seitenvergleich warm an. Drückt der Tierarzt oder Schmied mit der Hufuntersuchungszange gezielt über die Sohle, reagiert das Pferd an einer umschriebenen Stelle mit starker Schmerzabwehr - das ist einer der wichtigsten Hinweise auf den Sitz des Abszesses. In fortgeschrittenen Fällen kann eine Schwellung bis in die Fessel oder höher hinaufziehen.

Puls und Wärme richtig prüfen
Die Pulsation tastest du an den Zehenarterien, die seitlich über das Fesselgelenk zum Huf ziehen. Leg zwei Finger (nicht den Daumen - damit spürst du leicht deinen eigenen Puls) seitlich an die Gliedmaße und vergleiche beide Vorder- bzw. Hinterbeine. Ein einseitig kräftig pochender Puls zusammen mit einem warmen Huf passt gut zu einem Abszess. Wichtig: Puls und Wärme zeigen ein Problem im Huf an, sie beweisen aber keinen Abszess - die genaue Einordnung gehört in Fachhände.
Wie es zum Hufabszess kommt
Ein Hufabszess entsteht, wenn Keime in die empfindlichen Strukturen unter dem Horn gelangen. Typische Eintrittspforten sind Risse in der weißen Linie, Steingallen (Quetschungen der Sohlenlederhaut), ein Nageltritt oder eine Vernagelung beim Beschlag. Haben sich die Bakterien erst eingenistet, bildet sich Eiter - und genau hier liegt das Problem: Die starre Hornkapsel wirkt wie ein geschlossener Schuh, aus dem der Eiter nicht entweichen kann. Der Druck steigt, reizt die gut innervierte Huflederhaut und verursacht den heftigen Schmerz.

Weil der Eiter nach außen drängt, sucht er sich den Weg des geringsten Widerstands - meist nach oben zum Kronrand oder nach hinten zum Ballen, wo das Horn weicher ist. Bricht der Abszess dort durch, entleert sich der Eiter und der Druck lässt nach.

Begünstigt wird das Ganze durch nasse Böden und häufigen Wechsel zwischen nass und trocken, der das Horn aufweicht und spröde macht, durch schlechte Hornqualität sowie durch zu lange Beschlags- oder Bearbeitungsintervalle.
Wenn der Huf selbst das Risiko ist
Hufrehe. Pferde mit chronischer Hufrehe bekommen auffallend oft Hufabszesse, häufig auch wiederholt [10][2]. Der Grund liegt im Umbau des Hufs: Zwischen Hufwand und Hufbein bildet sich ein Keil aus abnorm gebildetem Horn, der sogenannte Hornkeil [11]. In einer Studie fanden sich im Lamellengewebe chronisch rehekranker Pferde rund hundertmal mehr Bakterien als bei gesunden Pferden [10]. Wie viele Rehepferde tatsächlich einen Abszess entwickeln, hat bisher keine Studie gezählt, die wir finden konnten.
Hufform. Schäden an der weißen Linie sind eine typische Eintrittspforte, und sie hängen mit der Hufbearbeitung zusammen: In einer niederländischen Studie mit 942 Pferden war eine verbreiterte weiße Linie häufiger bei langen Bearbeitungsintervallen, bei älteren Pferden und bei einigen Rassen [8]. Untergeschobene Trachten sind eine häufige Hufverformung [12]. Dass sie Abszesse begünstigen, etwa über Quetschungen im Trachten-Eckstreben-Winkel, ist in der Hufbearbeitung gängige Erfahrung, durch Studien aber nicht belegt.
Eckstreben. Die Eckstreben stabilisieren den hinteren Huf und sollten weder radikal weggeschnitten noch so lang gelassen werden, dass sie auf die Sohle umknicken - beides gilt unter Hufbearbeitern als ungünstig, Studien dazu fehlen. Der Winkel zwischen Wand und Eckstrebe ist eine typische Stelle für Steingallen und festgetretenen Schmutz, besonders unter Eisen, und damit eine mögliche Eintrittspforte für einen Abszess.
Beschlag und Pads. Ledersohlen, Kunststoffpads und andere Dämpfungen schützen die Sohle, halten aber Feuchtigkeit darunter fest. Hufschmiede sehen bei schlecht verfüllten Pads häufiger Strahlfäule, und feuchtes Horn ist nachweislich weicher als trockenes [15]. Einen direkten Nachweis, dass Pads Abszesse auslösen, gibt es nicht. Entscheidend ist aus Sicht der Praxis die Haltung: Ein Pferd mit Pads sollte möglichst trocken stehen, auf dauernassem oder matschigem Boden steigt das Risiko für Strahlfäule - in der niederländischen Erhebung war ein nasser Stallboden mit deutlich mehr Strahlfäule verbunden [8]. Beim Beschlagen selbst gilt: Der Huf muss sauber und trocken sein und eine vorhandene Strahlfäule vorher behandelt werden, sonst schließt die Verfüllung Keime und Feuchtigkeit ein. Welche Verfüllung du nimmst, besprichst du am besten mit deinem Schmied.
PPID (Cushing). Bei Pferden mit PPID arbeiten bestimmte Abwehrzellen nachweislich schlechter, sie gelten deshalb als anfälliger für bakterielle Infektionen [13]. Hufabszesse werden in der Praxis oft dazugezählt, eigene Zahlen dazu gibt es nicht. Hinzu kommt, dass PPID das Reherisiko erhöht und damit auch über diesen Weg Abszesse begünstigen kann.
Abgrenzung: Was es noch sein könnte
Eine plötzliche hochgradige Lahmheit ist ein Alarmsignal, hat aber mehrere mögliche Ursachen. Deshalb ist die Abgrenzung so wichtig - und sie gehört in die Hand von Tierarzt oder Schmied.
- Knochenbruch (Fraktur): Die dramatische Lahmheit ähnelt dem Abszess, weshalb viele Besitzer zuerst daran denken. Hier helfen klinische Untersuchung und Röntgen zur Abklärung.
- Hufrehe: Betrifft typischerweise mehrere Hufe gleichzeitig (häufig beide Vorderhufe), zeigt einen anderen Bewegungsablauf mit klammem, trippeligem Gang und oft die bekannte entlastende Körperhaltung. Mehr dazu in unserem Artikel zur Hufrehe-Früherkennung. Wichtig: Eine Rehe wird leicht für einen Abszess gehalten. In einer britischen Studie mit 93 tierärztlich bestätigten Rehefällen hatten die Besitzer die Rehe in knapp der Hälfte der Fälle nicht erkannt, und ein vermuteter Hufabszess war einer der häufigen Gründe für den Tierarztbesuch [14].
- Nageltritt mit Beteiligung tiefer Strukturen: Ein tief eingedrungener Fremdkörper kann Hufgelenk, Hufrolle oder tiefe Beugesehne erreichen - ein Notfall, der sich von einem harmlosen Abszess deutlich unterscheidet.
- Phlegmone/Einschuss, Sehnenverletzung, septische Arthritis (Gelenkinfektion): Auch diese Erkrankungen können mit starker Lahmheit und Schwellung einhergehen und müssen ausgeschlossen werden.
Was jetzt richtig ist - und was nicht
Der wichtigste Satz zuerst: Schneide nicht selbst tief in den Huf und behandle nicht auf Verdacht. Zieh Tierärztin oder Hufschmied hinzu. Beide haben die Erfahrung, die schmerzhafte Stelle gezielt zu lokalisieren und zu beurteilen, ob wirklich ein Abszess vorliegt.
Das übliche Vorgehen: Der Fachmensch sucht mit der Hufuntersuchungszange und durch vorsichtiges Freilegen die Eiterstraße. Ist der Abszess reif, wird er an der richtigen Stelle schonend geöffnet, sodass der Eiter abfließen kann. Danach wird gespült und ein sauberer Verband angelegt. Ein zu großzügiges oder zu tiefes Schneiden schadet mehr, als es nützt, weil es gesundes Gewebe verletzt und neue Eintrittspforten schafft.

Angussverband und Weichmachen
Ist der Abszess noch nicht reif, helfen Angussverbände und das Weichmachen des Horns, den Durchbruch zu unterstützen. Für den Hausgebrauch nach Rücksprache mit dem Fachmensch bewährt sich folgende Materialliste:
- saugfähige Kompressen oder eine Einweg-Windel als Polster
- optional ein feuchtwarmer Breiumschlag (klassisch als „Poultice") oder angewärmtes Einweichen in einem Eimer - alternativ reicht ein Anguss mit Wasser
- selbsthaftende Bandage und stabiles Hufverband-Klebeband (Panzertape) für die Lauffläche
- eventuell ein Hufschuh zum Schutz des Verbands
Das warme, feuchte Milieu weicht das Horn auf und fördert, dass sich der Abszess öffnet. Solange der Verband nass ist, erneuere ihn täglich und halte ihn von außen sauber. Fällt dir beim Verbandswechsel plötzlich ein fauliger Geruch auf, hat sich der Abszess wahrscheinlich geöffnet - oft geht es dem Pferd von diesem Moment an schlagartig besser. Weiche den Huf aber nicht tagelang ein: Üblich sind 24 bis 48 Stunden, dann sucht der Fachmensch erneut nach dem Abszess [2].

Tetanusschutz prüfen
Jede Wunde am Huf ist eine mögliche Eintrittspforte für Tetanus-Erreger - und Pferde sind gegenüber Tetanus besonders empfindlich. In einer Auswertung von 155 erwachsenen Equiden mit Tetanus aus europäischen Kliniken gehörten Hufabszesse zu den häufigsten Eintrittspforten, und rund zwei Drittel der erkrankten Tiere starben [5]. Deshalb gilt beim Hufabszess: Impfstatus prüfen. Die StIKo Vet führt die Tetanus-Impfung in ihrer aktuellen Leitlinie zur Impfung von Pferden (5. Auflage, Stand 06.01.2025) als Core-Komponente, also als Impfung, die jedes Pferd haben sollte [1]. Ist der Grundschutz unklar oder die letzte Auffrischung zu lange her, kläre das Vorgehen mit deinem Tierarzt - gerade bei einer bestehenden Huföffnung ist das kein Punkt zum Aufschieben.
Antibiotika - nicht der Standard
Beim unkomplizierten Hufabszess stehen Öffnen, Drainage und Verband im Vordergrund; eine systemische Antibiotikagabe ist hier in der Regel nicht nötig, solange der Abszess nicht in tiefere Strukturen vorgedrungen ist [2]. Der Grund: Sobald der Eiter abfließen kann, nimmt der Körper die Heilung meist selbst in die Hand. Aus der Praxis wird außerdem berichtet, dass Antibiotika die Reifung des Abszesses verzögern können - das ist Erfahrungswissen, Studiendaten dazu kennen wir nicht. Ob im Einzelfall - etwa bei Komplikationen - eine Behandlung nötig ist, entscheidet ausschließlich der Tierarzt. Dosierung gehört in die Hand des behandelnden Tierarztes.
Der Verlauf nach dem Öffnen
Die gute Nachricht: Sobald die Eiterstraße offen ist und der Druck entweicht, bessert sich die Lahmheit meist rasch - in der Regel deutlich innerhalb von zwölf Stunden nach dem Öffnen [2]. Bleibt die Besserung aus oder kommt der Abszess wieder, gehört der Huf erneut in Fachhände, dann ist ein Röntgenbild angezeigt [2]. Die komplette Abheilung der Öffnung dauert je nach Größe und Lage länger, bis sich das Horn geschlossen hat.
In dieser Phase gilt: Halte den Verband sauber und trocken und wechsle ihn nach Anweisung. Kontrolliertes Bewegen auf sauberem, trockenem Boden ist nach Absprache meist erlaubt - das Belasten des Hufs hilft, den Eiter herauszudrücken [2] -, während nasse, matschige Böden und unkontrollierter Weidegang den frisch geöffneten Huf gefährden. Wann der Verband endgültig ab kann und wann dein Pferd wieder voll belastet werden darf, legt der behandelnde Fachmensch anhand der Heilung fest.
Wann in die Klinik
Ein Hufabszess ist meist gut beherrschbar - aber nicht immer. Noch einmal zum Tierarzt und je nach Befund in die Klinik gehört dein Pferd, wenn [2][4]:
- trotz Behandlung kein Eiter abgeht und die Lahmheit nicht nachlässt
- Fieber auftritt (Normaltemperatur beim erwachsenen Pferd 37,5–38,2 °C, Fieber ab 38,5 °C, rektal gemessen)
- eine deutliche Schwellung nach oben in Fessel oder Röhre zieht
- der Verdacht auf Beteiligung von Hufgelenk, Hufbein oder Hufrolle besteht - hier ist ein Röntgen zur Abklärung sinnvoll
- wiederkehrende Abszesse auftreten: Sie können auf ein Grundproblem hinweisen, etwa eine Hufrehe, dünne Sohlen, ein Keratom (Hornsäule) oder einen Knochensequester. Tritt der Abszess immer wieder an derselben Stelle auf, ist Bildgebung sinnvoll [2]. Auch Hufbalance und Stoffwechsel gehören dann auf den Prüfstand

Vorbeugung: trockene Hufe, kurze Intervalle
Ganz verhindern lässt sich ein Hufabszess nicht, aber du kannst das Risiko senken. Die wichtigsten Hebel:
- Regelmäßige Hufpflege und eingehaltene Beschlags- bzw. Bearbeitungsintervalle, damit Hebelkräfte und Schäden an der weißen Linie möglichst gering bleiben - in einer Erhebung an 942 Pferden traten Steingallen und eine verbreiterte weiße Linie häufiger auf, wenn die Bearbeitungsintervalle lang waren [8].
- Bodenmanagement: matschige, dauernasse Ausläufe meiden oder befestigen, denn der ständige Wechsel nass/trocken schwächt das Horn.
- Trockene Liegeflächen in Box und Unterstand.
- Tägliche Hufkontrolle: Hufe auskratzen, auf Fremdkörper, Risse und Steingallen achten - so bemerkst du Eintrittspforten früh.
Ergänzende Fütterung für die Hornqualität
Eine stabile Hornqualität ist die beste Barriere gegen eindringende Keime. Hier können bestimmte Nährstoffe ergänzend sinnvoll sein, wenn die Grundversorgung nicht ausreicht. Am besten untersucht ist Biotin (ein B-Vitamin): In einer placebokontrollierten Doppelblindstudie an 42 Lipizzanern verbesserte sich die Hornqualität unter 20 mg Biotin täglich nach etwa neun Monaten messbar, die Wachstumsgeschwindigkeit des Horns blieb dabei gleich [6][7]; eine kleinere Studie an acht Ponys fand dagegen ein um 15 % schnelleres Hornwachstum [9]. Zink und Kupfer sind am Hornstoffwechsel beteiligt, und schwefelhaltige Aminosäuren wie Methionin sowie Omega-3-Fettsäuren (etwa aus Leinsamen) gelten in der Praxis als hornfreundlich - vergleichbare Fütterungsstudien am Pferd kennen wir dafür aber nicht. Sichtbare Veränderungen brauchen in jedem Fall viele Monate: Die Hufwand erneuert sich in rund elf Monaten einmal komplett [6]. Eine Ergänzung ist vor allem bei Pferden mit chronisch schlechter Hornqualität einen Blick wert - idealerweise nach Blutbild und tierärztlicher Empfehlung.
Fazit
Der Hufabszess sieht dramatisch aus, hat aber bei richtigem Vorgehen eine gute Prognose: Ist die Eiterstraße erst geöffnet, verschwindet die heftige Lahmheit meist schnell wieder. Entscheidend ist, nicht selbst zu schneiden, früh Tierarzt oder Schmied einzubinden und den Tetanusschutz zu prüfen. Treten Abszesse immer wieder auf, lohnt der Blick auf das größere Bild - Hufbalance, Haltung und Stoffwechsel.
Häufige Fragen zu Hufabszess beim Pferd
Wie lange dauert ein Hufabszess beim Pferd?
Sobald die Eiterstraße offen ist und der Druck entweicht, bessert sich die heftige Lahmheit meist rasch, in der Regel deutlich innerhalb von zwölf Stunden nach dem Öffnen [2]. Die komplette Abheilung der Öffnung dauert länger, je nach Größe und Lage, bis sich das Horn wieder geschlossen hat. Wann der Verband endgültig ab kann und wann dein Pferd wieder voll belastet werden darf, legt der behandelnde Fachmensch anhand der Heilung fest.
Was tun bei einem Hufabszess beim Pferd?
Der wichtigste Satz zuerst: Schneide nicht selbst tief in den Huf und behandle nicht auf Verdacht. Zieh stattdessen Tierärztin oder Hufschmied hinzu. Beide lokalisieren die schmerzhafte Stelle gezielt, öffnen einen reifen Abszess schonend an der richtigen Stelle, spülen und legen einen sauberen Verband an. Ist der Abszess noch nicht reif, helfen Angussverbände und das Weichmachen des Horns, den Durchbruch zu unterstützen. Prüfe außerdem den Tetanusschutz, denn jede Huföffnung ist eine mögliche Eintrittspforte für Tetanus-Erreger [5].
Wie entsteht ein Hufabszess beim Pferd?
Ein Hufabszess entsteht, wenn Keime in die empfindlichen Strukturen unter dem Horn gelangen, etwa über Risse in der weißen Linie, Steingallen, einen Nageltritt oder eine Vernagelung beim Beschlag. Haben sich die Bakterien eingenistet, bildet sich Eiter, der aus der starren Hornkapsel nicht entweichen kann: Der Druck steigt, reizt die gut innervierte Huflederhaut und verursacht den heftigen Schmerz. Begünstigt wird das Ganze durch nasse Böden, den häufigen Wechsel zwischen nass und trocken, schlechte Hornqualität sowie zu lange Beschlags- oder Bearbeitungsintervalle.
Woran erkenne ich einen Hufabszess beim Pferd?
Charakteristisch ist eine akute Lahmheit, die nur ein Bein betrifft und rasch einsetzt. Tastest du die Zehenarterien ab, spürst du häufig eine deutlich vermehrte, einseitig pochende Pulsation, und der Huf fühlt sich im Seitenvergleich warm an. Drückt der Fachmensch mit der Hufuntersuchungszange gezielt über die Sohle, reagiert das Pferd an einer umschriebenen Stelle mit starker Schmerzabwehr. Wichtig: Puls und Wärme zeigen ein Problem im Huf an, beweisen aber keinen Abszess, die genaue Einordnung gehört in Fachhände.
Welche Globuli oder Hausmittel helfen bei einem Hufabszess?
Für Globuli oder Homöopathie beim Hufabszess liegt in den hier ausgewerteten Quellen kein Beleg vor. Bewährt ist nach Rücksprache mit Tierärztin oder Hufschmied ein Angussverband mit feuchtwarmem Milieu, das das Horn aufweicht und den Durchbruch fördert, üblich sind 24 bis 48 Stunden, dann wird erneut nach dem Abszess gesucht [2]. Schneide keinesfalls selbst tief in den Huf und behandle nicht auf Verdacht. Zieh stattdessen Tierärztin oder Hufschmied hinzu.
Braucht mein Pferd bei einem Hufabszess Antibiotika?
Beim unkomplizierten Hufabszess stehen Öffnen, Drainage und Verband im Vordergrund, eine systemische Antibiotikagabe ist hier in der Regel nicht nötig, solange der Abszess nicht in tiefere Strukturen vorgedrungen ist [2]. Der Grund: Sobald der Eiter abfließen kann, nimmt der Körper die Heilung meist selbst in die Hand. Ob im Einzelfall, etwa bei Komplikationen, eine Behandlung nötig ist, entscheidet ausschließlich der Tierarzt.
Darf ich mein Pferd mit Hufabszess bewegen?
Kontrolliertes Bewegen auf sauberem, trockenem Boden ist nach Absprache meist erlaubt, denn das Belasten des Hufs hilft, den Eiter herauszudrücken [2]. Nasse, matschige Böden und unkontrollierter Weidegang gefährden dagegen den frisch geöffneten Huf. Halte den Verband sauber und trocken und wechsle ihn nach Anweisung. Wann dein Pferd wieder voll belastet werden darf, legt der behandelnde Fachmensch anhand der Heilung fest.
Wann muss ein Pferd mit Hufabszess in die Klinik?
Zurück zum Tierarzt und je nach Befund in die Klinik gehört dein Pferd, wenn trotz Behandlung kein Eiter abgeht und die Lahmheit nicht nachlässt, wenn Fieber auftritt, wenn eine deutliche Schwellung nach oben in Fessel oder Röhre zieht oder der Verdacht auf Beteiligung von Hufgelenk, Hufbein oder Hufrolle besteht [2][4]. Normal sind beim erwachsenen Pferd 37,5 bis 38,2 °C rektal, von Fieber spricht man ab 38,5 °C. Auch wiederkehrende Abszesse gehören abgeklärt, sie können auf ein Grundproblem wie Hufrehe, dünne Sohlen, ein Keratom oder einen Knochensequester hinweisen, dann ist Bildgebung sinnvoll [2].
Quellen
- [1] StIKo Vet (Ständige Impfkommission Veterinärmedizin am FLI), Arbeitskreis Pferde - Leitlinie zur Impfung von Pferden, 5. aktualisierte Auflage, Stand 06.01.2025. https://stiko-vet.fli.de/de/empfehlungen - Kurzfassung: Tierarztl Prax Ausg G Grosstiere Nutztiere 2025; 53(1): 33–38. PMID 39965580. https://doi.org/10.1055/a-2517-4204
- [2] Beasley B - Hoof Abscesses in Horses. MSD Veterinary Manual, Professional Version, Review Juni 2024. https://www.msdvetmanual.com/musculoskeletal-system/disorders-of-the-foot-in-horses/hoof-abscesses-in-horses
- [3] Redding WR, O'Grady SE - Septic diseases associated with the hoof complex: abscesses, punctures wounds, and infection of the lateral cartilage. Vet Clin North Am Equine Pract 2012; 28(2): 423–440. PMID 22981199. https://doi.org/10.1016/j.cveq.2012.06.004
- [4] American College of Veterinary Surgeons (ACVS) - Subsolar Abscess and Coffin Bone Osteomyelitis. https://www.acvs.org/large-animal/subsolar-abscess-and-coffin-bone-osteomyelitis/
- [5] van Galen G et al. - Retrospective evaluation of 155 adult equids and 21 foals with tetanus in Western, Northern, and Central Europe (2000–2014). Part 1: Description of history and clinical evolution. J Vet Emerg Crit Care (San Antonio) 2017; 27(6): 684–696. PMID 28960717. https://doi.org/10.1111/vec.12668
- [6] Josseck H, Zenker W, Geyer H - Hoof horn abnormalities in Lipizzaner horses and the effect of dietary biotin on macroscopic aspects of hoof horn quality. Equine Vet J 1995; 27(3): 175–182. PMID 7556044. https://doi.org/10.1111/j.2042-3306.1995.tb03060.x
- [7] Zenker W, Josseck H, Geyer H - Histological and physical assessment of poor hoof horn quality in Lipizzaner horses and a therapeutic trial with biotin and a placebo. Equine Vet J 1995; 27(3): 183–191. PMID 7556045. https://doi.org/10.1111/j.2042-3306.1995.tb03061.x
- [8] Holzhauer M et al. - Cross-sectional study of the prevalence of and risk factors for hoof disorders in horses in The Netherlands. Prev Vet Med 2017; 140: 53–59. PMID 28460750. https://doi.org/10.1016/j.prevetmed.2017.02.013
- [9] Reilly JD, Cottrell DF, Martin RJ - Effect of supplementary dietary biotin on hoof growth and hoof growth rate in ponies: a controlled trial. Equine Vet J Suppl 1998; (26): 51–57. PMID 9932094. https://doi.org/10.1111/j.2042-3306.1998.tb05122.x
- [10] Onishi JC et al. - Chronic laminitis is associated with potential bacterial pathogens in the laminae. Vet Microbiol 2012; 158(3-4): 329–336. PMID 22410310. https://doi.org/10.1016/j.vetmic.2012.02.024
- [11] Collins SN, van Eps AW, Pollitt CC, Kuwano A - The lamellar wedge. Vet Clin North Am Equine Pract 2010; 26(1): 179–195. PMID 20381746. https://doi.org/10.1016/j.cveq.2010.01.004
- [12] Hunt RJ - Farriery for the hoof with low or underrun heels. Vet Clin North Am Equine Pract 2012; 28(2): 351–364. PMID 22981194. https://doi.org/10.1016/j.cveq.2012.06.002
- [13] McFarlane D, Hill K, Anton J - Neutrophil function in healthy aged horses and horses with pituitary dysfunction. Vet Immunol Immunopathol 2015; 165(3-4): 99–106. PMID 25962580. https://doi.org/10.1016/j.vetimm.2015.04.006
- [14] Pollard D et al. - Assessment of horse owners' ability to recognise equine laminitis: A cross-sectional study of 93 veterinary diagnosed cases in Great Britain. Equine Vet J 2017; 49(6): 759–766. PMID 28543943. https://doi.org/10.1111/evj.12704
- [15] Bonney C, Pang S, Meyers MA, Jasiuk I - Viscoelastic properties of the equine hoof wall. Acta Biomater 2024; 184: 264–272. PMID 38908419. https://doi.org/10.1016/j.actbio.2024.06.022
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