Was ist das Equine Herpesvirus?
Das Equine Herpesvirus (EHV) gehört zu den weltweit am häufigsten vorkommenden Infektionserregern bei Pferden. Beim Pferd sind fünf Herpesvirus-Typen beschrieben (EHV-1 bis EHV-5); klinisch relevant sind vor allem EHV-1 und EHV-4 [6]. Beide lösen in erster Linie fieberhafte Atemwegserkrankungen aus. EHV-1 kann darüber hinaus bei tragenden Stuten Aborte verursachen und in seltenen Fällen die neurologische Verlaufsform EHM (Equine Herpesvirus-Myeloenzephalopathie) hervorrufen [2, 3].
Kurz zur Einordnung der weniger geläufigen Typen: EHV-2 und EHV-5 sind Gammaherpesviren, die ubiquitär verbreitet sind; EHV-5 wird mit der equinen multinodulären pulmonalen Fibrose (EMPF) in Verbindung gebracht. EHV-3 verursacht das Koitalexanthem — eine sexuell übertragene Erkrankung mit Bläschen an Vulva und Penis, in der Regel selbstlimitierend [13].
Die Mehrheit der Pferde infiziert sich im Laufe ihres Lebens mit EHV-1, viele bereits im Jugendalter. Die Latenz-Prävalenz bei erwachsenen Pferden („stille" Virusträger, ohne Symptome) liegt in Studien bei rund 60–80 % [2]. Nach der Erstinfektion verbleibt das Virus latent im Körper — ähnlich wie Herpesviren beim Menschen. Stress, Transport oder intensive Belastung können eine Reaktivierung auslösen, sodass das Pferd erneut Viren ausscheidet, ohne zwingend selbst Symptome zu zeigen [6].

Typische Symptome — was du beobachten solltest
Die respiratorische Form zeigt sich meist durch Fieber, klar-wässrigen Nasenausfluss, leichte Abgeschlagenheit und gelegentlich Husten [6]. Diese Symptome klingen bei rechtzeitiger Schonung in der Regel innerhalb weniger Tage bis Wochen folgenlos ab. Die Inkubationszeit liegt typischerweise bei 4–7 Tagen — wichtig für die Quarantänelogik nach Kontakt mit Verdachtspferden [7].
Temperaturmessung beim Pferd: Miss rektal — nur so erhältst du verlässliche Werte. Die Normaltemperatur beim erwachsenen Pferd liegt bei 37,5–38,2 °C. Fieber beginnt ab 38,5 °C, hohes Fieber ab 39,5 °C. Verwende ein digitales Fieberthermometer, führe es vorsichtig ein paar Zentimeter in den After ein und warte die Signalzeit ab (meist 30–60 Sekunden). Bei Ausbrüchen oder nach Kontakt mit potenziell infizierten Pferden solltest du die Temperatur zweimal täglich kontrollieren. Wichtig für die Sicherheit: seitlich versetzt stehen, nicht direkt hinter dem Pferd — der Hufschlag-Bereich ist gefährlich.
Die neurologische Verlaufsform (EHM — Equine Herpesvirus Myeloencephalopathy) ist deutlich seltener. Die Inzidenz schwankt stark: in vielen Outbreaks bleibt sie unter 10 %, in einzelnen Beständen wurden aber bis zu rund 70 % der Erkrankten betroffen [2]. EHM entsteht, wenn EHV-1 die Endothelzellen der Blutgefäße im zentralen Nervensystem befällt und durch Vaskulitis zu Mikrothrombosen und Ischämien führt [3, 4]. Typische Anzeichen sind Bewegungsstörungen, die meist an der Hinterhand beginnen, Schwierigkeiten beim Harn- und Kotabsatz und in schweren Fällen Festliegen.
Die Mortalität (Sterblichkeitsrate) bei EHM schwankt stark: ältere Quellen nennen 30–50 %, neuere Outbreak-Studien zeigen je nach Behandlung deutlich niedrigere Werte. Im großen Valencia-Ausbruch 2021 lag die Sterberate von diagnostizierten EHM-Fällen bei rund 12 % (11 von 89 EHM-Pferden) [5]; das Equine Disease Communication Center berichtet, dass sich 60–70 % der EHM-Pferde unter intensivem Management erholen [8]. Pferde, die stehen bleiben können und frühzeitig unterstützende Behandlung erhalten, haben deutlich bessere Heilungschancen [8]. Je schneller du auf neurologische Warnsignale reagierst und tierärztliche Hilfe holst, desto größer sind die Chancen auf Erholung.
Übertragung und Ansteckungsrisiko
EHV wird hauptsächlich über Tröpfcheninfektion übertragen — also durch Husten, Schnauben oder direkten Nasenkontakt [6]. Das Virus kann auch über kontaminierte Oberflächen wie Tränken, Futtertröge, Stallausrüstung und sogar Kleidung und Hände von Menschen weitergegeben werden. Wichtig in der Praxis: EHV-1 ist in feuchten, schattigen Bereichen erstaunlich robust — laut USDA APHIS kann es dort bis zu rund 3 Wochen in der Umgebung überleben [9]. Das macht die Oberflächen-Übertragung praxisrelevanter, als oft angenommen.
Besonders hoch ist das Ansteckungsrisiko bei Turnieren, Lehrgängen, in Aufzuchtbetrieben und überall dort, wo Pferde aus verschiedenen Beständen zusammenkommen. Latent infizierte Pferde können das Virus ausscheiden, ohne selbst krank zu wirken — das macht die Kontrolle so anspruchsvoll [6].
Diagnose — wie der Tierarzt EHV nachweist
Goldstandard für den Akut-Nachweis ist die EHV-1-/EHV-4-PCR aus einem Nasentupfer (Schleimhautausscheidung) oder aus EDTA-Vollblut bzw. Buffy Coat zum Nachweis der Virämie — die Voraussetzung für die Entwicklung von EHM ist [6]. Der Nasentupfer ist besonders in der akuten Phase aussagekräftig, wenn das Pferd Viren ausscheidet. Bei neurologischem Verdacht ist die EDTA-PCR die diagnostisch entscheidende Probe.
Ein signifikanter Anstieg der Antikörper-Titer in zwei Blutproben im Abstand von 2–3 Wochen kann eine Infektion ebenfalls bestätigen — dieses Verfahren ist allerdings retrospektiv und nicht für die akute Diagnostik geeignet [6]. Bei neurologischen Symptomen ist eine schnelle PCR-Diagnostik entscheidend, um sofort Quarantänemaßnahmen einzuleiten und Folgeinfektionen im Bestand zu verhindern.
Behandlung — was hilft bei einer EHV-Infektion?
Eine ursächliche Therapie gegen das Virus selbst gibt es nicht — die Behandlung ist unterstützend [6]. Bei der milden respiratorischen Form stehen Ruhe, Schonung und eine stressfreie Umgebung im Vordergrund. Verschreibungspflichtige nichtsteroidale Entzündungshemmer wie Phenylbutazon oder Flunixin-Meglumin können Fieber, Schmerzen und Entzündungen lindern; die Dosierung gehört in die Hand des behandelnden Tierarztes [6].
Wichtige Warnung im Quarantänekontext: NSAIDs senken das Fieber und verschleiern damit die Fieberkurve, die in der Beobachtungsphase eines Verdachtsfalls die wichtigste klinische Variable ist. AAEP-Quarantäneprotokolle empfehlen daher, bei reinen Verdachtsfällen während der Beobachtungszeit auf NSAIDs zu verzichten — sonst kann ein anlaufender Bestandsausbruch unbemerkt bleiben [10].
Bei der neurologischen Form werden gezielter verschreibungspflichtige antivirale Medikamente eingesetzt, insbesondere Valaciclovir (oral). Valaciclovir kann nach aktuellen Daten die Virämie reduzieren; ob sich daraus eine eindeutige Verbesserung des klinischen Outcomes ergibt, ist nicht abschließend belegt [3, 8]. Ebenfalls verschreibungspflichtig ist Heparin oder niedermolekulares Heparin, das bei EHM eingesetzt wird, um den Vaskulitis-bedingten Mikrothrombosen entgegenzuwirken — das ist also keine antivirale, sondern eine gefäßprotektive Maßnahme [4, 8]. Auswahl, Dosierung und Therapiedauer gehören in jedem Fall in die Hand des behandelnden Tierarztes.
Entscheidend bleibt die intensive pflegerische Betreuung: Pferde, die nicht mehr sicher stehen können, benötigen weiche Untergründe, regelmäßiges Umlagern und Unterstützung bei der Futter- und Wasseraufnahme. Die Prognose ist bei Pferden, die stehen bleiben können, deutlich besser als bei festliegenden Tieren [8].
Impfung — die wichtigste Vorsorgemaßnahme
Die Ständige Impfkommission Veterinärmedizin (StIKo Vet) stuft die Impfung gegen EHV-1 und EHV-4 in der aktuellen Leitlinie (5. Auflage, Januar 2025) als Core-Impfung ein — das bedeutet, dass jedes Pferd zu jeder Zeit gegen EHV geschützt sein sollte [1]. Die Impfung schützt nicht absolut vor Infektion und Erkrankung, reduziert aber nachweislich die Virusausscheidung und mildert die klinischen Symptome [1, 6, 14].
Nach korrekter Grundimmunisierung wird eine Auffrischung alle 6 Monate empfohlen, um den Impfschutz aufrechtzuerhalten [1]. Bei Pferden mit hohem Infektionsdruck — Turnier-, Zucht- und Ausbildungspferde — ist diese halbjährliche Auffrischung besonders wichtig.
FN-Impfpflicht — kurzer Stand der Dinge: Die Deutsche Reiterliche Vereinigung (FN) führte zum 01.01.2023 eine EHV-1-Impfpflicht für Turnierpferde ein und hat sie zum 15. April 2024 wieder aufgehoben. Die StIKo-Vet-Empfehlung als Core-Impfung bleibt davon unabhängig bestehen [1]. Für die Praxis heißt das: kein Turnierzwang mehr, aber tierärztlich weiterhin klar empfohlen.
Für die neurologische Verlaufsform (EHM) gibt es derzeit keinen zugelassenen Impfstoff [1, 8]. Die Impfung gegen die respiratorische und abortive Form trägt jedoch indirekt dazu bei, das Risiko für EHM zu senken, indem sie die Viruslast im Bestand reduziert.
Trächtige Stuten — Schema hängt vom Impfstofftyp ab
Die Standard-Empfehlung mit inaktiviertem EHV-1-Impfstoff (z. B. Equip EHV 1,4) sieht zusätzliche Impfungen im 5., 7. und 9. Trächtigkeitsmonat zur Abortprophylaxe vor [1]. Die in Deutschland verfügbare Lebendvakzine (Prevaccinol/Rhinomune) folgt einem anderen Schema (typischerweise 4./5. und 8. Monat oder 3./4. und 7./8. Monat) und besitzt keine Indikation für Abortschutz. Welches Präparat in welchem Rhythmus passt, klärst du mit deinem Tierarzt — die Schemata sind nicht austauschbar [1].
Aus Besitzersicht: Kosten der Impfung im Zuchtbetrieb
Die halbjährliche Auffrischung ist die fachlich richtige Empfehlung, im Zuchtbetrieb aber auch ein nennenswerter Posten. Konkrete Hausnummern aus der Praxis:
- Pro EHV-Auffrischung beim Pferd zahlst du je nach Region und Anfahrtskosten typischerweise mindestens 100 € und manchmal mehr.
- Trächtige Stuten bekommen drei zusätzliche Schutzimpfungen im 5./7./9. Monat.
- In einem Zuchtbetrieb mit 20 Stuten plus Jungpferden und Deckhengsten kommen schnell mittlere bis untere vierstellige Beträge pro Jahr allein für EHV zusammen — andere Core-Impfungen wie Tetanus und Influenza nicht eingerechnet.
Die Beträge sind seit der GOT-Novelle 2022 deutlich gestiegen. Die EHV-Impfung bleibt im Zuchtbetrieb einer der größeren wiederkehrenden Posten — und einer der Gründe, warum sich manche Halter:innen dann doch fragen, wie konsequent halbjährlich geimpft werden muss.
Tierseuchenkasse: Was die Bundesländer leisten
Pferdehalter:innen sind in Deutschland Pflichtmitglieder in der jeweiligen Tierseuchenkasse ihres Bundeslandes (z. B. Niedersächsische, Bayerische, Hessische Tierseuchenkasse). Die Kassen finanzieren sich aus Beiträgen pro Tier und leisten in Schadensfällen Beihilfen — auch außerhalb der klassischen anzeigepflichtigen Tierseuchen [12].
Bei einem EHV-Ausbruch mit massiven Verlusten (Aborte, EHM-Todesfälle, Räumung des Bestands) können in einigen Bundesländern Beihilfen aus der Tierseuchenkasse beantragt werden. Wichtig: Die Beihilfen sind in vielen Leistungssatzungen an einen nachweisbaren Impfschutz des Bestands geknüpft — wer halbjährlich impft, hat im Schadensfall deutlich bessere Chancen auf Erstattung. Wer nicht impft, geht im Ernstfall meist leer aus [12].
Die genauen Konditionen unterscheiden sich von Bundesland zu Bundesland und ändern sich regelmäßig. Konkrete Auskunft gibt die Leistungssatzung deiner Tierseuchenkasse oder ein kurzer Anruf dort. Auch dein Hoftierarzt kennt in der Regel die Praxis im jeweiligen Bundesland.
Aus Besitzersicht: Impfreaktionen und warum die Impfung umstritten bleibt
Die EHV-Impfung ist Core — und gleichzeitig die Impfung, die in Pferdebesitzer-Kreisen am häufigsten kontrovers diskutiert wird. Die Sorge ist nachvollziehbar: Viele Halter:innen berichten, dass ihre Pferde nach der Impfung kurzzeitig Fieber bekommen, mattig wirken oder im Einzelfall „torkelig" wirken — also genau die Symptome, die man eigentlich verhindern will.
Was sagt die Datenlage?
- Häufige Impfreaktionen sind in den Fachinformationen der zugelassenen EHV-Impfstoffe dokumentiert: lokale Schwellung an der Injektionsstelle (sehr häufig), kurzzeitig erhöhte Körpertemperatur und Mattigkeit (häufig, meist 24–48 Stunden) [11]. Diese Reaktionen sind in der Regel selbstlimitierend und kein Grund zur Sorge.
- Anaphylaktische Reaktionen sind sehr selten und werden in den Fachinformationen als „nicht bekannt" oder „sehr selten" geführt [11].
- Neurologische Symptome (Ataxie, „Torkeligkeit") sind in den Beipackzetteln nicht als typische Nebenwirkung gelistet. In der Praxis tauchen Berichte trotzdem regelmäßig auf — die wahrscheinlichste Erklärung in vielen Fällen: Das Pferd war zum Impfzeitpunkt bereits inkubiert mit EHV-1. Solche Fälle sind extrem schwer kausal zuzuordnen. Pharmakovigilanz-Meldungen über das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) sind möglich und sinnvoll, wenn ein zeitlicher Zusammenhang besteht [11].
Praktischer Umgang mit Impfsorgen: nicht impfen, wenn das Pferd akut krank, schwer im Stress oder im Fieber ist. Bei sensiblen Pferden hilft, die Impfung nicht direkt vor Turnier oder Transport zu legen, sondern eine Ruhewoche einzuplanen. Wer einzelne Reaktionen beobachtet hat, kann mit dem Tierarzt einen Wechsel des Impfstofftyps oder -herstellers besprechen.
Unsere ehrliche Einschätzung: Der Schutzeffekt der Impfung — Reduktion der Virusausscheidung, mildere Symptome, geringeres Abort-Risiko, Beihilfeberechtigung im Schadensfall — überwiegt das Risiko der typischen Impfreaktionen klar. Aber pauschal abtun sollte man die Sorgen nicht; sie sind für viele Halter:innen real, und ein offenes Gespräch mit dem Hoftierarzt löst die meisten praktischen Fragen.
Prävention — so schützt du deinen Bestand
Neben der Impfung sind strikte Biosicherheitsmaßnahmen der wirksamste Schutz [10]:
- Quarantäne neuer Pferde: Mindestens 21 Tage Isolation, bevor sie in den Bestand integriert werden [10].
- Separate Ausrüstung: Eigene Putzzeuge, Tränken, Futtertröge und Stallwerkzeuge für Quarantänepferde — farblich markieren, hilft im Alltag.
- Temperaturkontrollen: Bei Ausbrüchen oder nach Turnieren zweimal täglich rektal messen.
- Vermeidung von Pferdekontakt: Kein direkter Nasen-Nasen-Kontakt zu fremden Pferden bei Veranstaltungen.
- Händehygiene und Kleidungswechsel: Hände waschen oder desinfizieren nach jedem Pferdekontakt, saubere Kleidung bei der Arbeit mit Quarantänepferden.
- Geringe Belegungsdichte und gute Belüftung: Außenhaltung oder offene Laufställe senken den Infektionsdruck vor allem durch geringere Pferdedichte und besseren Luftaustausch — nicht durch ungünstige Umweltbedingungen für das Virus. EHV-1 überlebt sogar in feuchten, schattigen Außenbereichen erstaunlich lange [9].
Bei Verdacht auf EHV gilt: Betroffene Pferde sofort isolieren, Tierarzt informieren, Bewegungsstopp für den gesamten Bestand und engmaschige Temperaturüberwachung aller Kontakttiere. Die Quarantäne sollte mindestens 21 Tage nach der letzten Fieberreaktion im Bestand fortgeführt werden, nicht ab dem ersten Krankheitsfall (USDA, AAEP) [9, 10].
Ergänzende Fütterung für ein starkes Immunsystem
Ein intaktes Immunsystem ist die Basis, damit dein Pferd Infektionen wie EHV besser abwehren kann. Bestimmte Nährstoffe sind dabei beteiligt — wichtig vorab: Eine gezielte Wirkung von Nährstoffen gegen EHV ist beim Pferd nicht durch Studien belegt. Die folgenden Hinweise beziehen sich auf eine bedarfsgerechte Versorgung, nicht auf eine prophylaktische Wirkung gegen das Virus.
Vitamin E ist ein fettlösliches Antioxidans und Bestandteil einer ausgewogenen Versorgung; insbesondere bei Stallhaltung mit wenig frischem Gras kann der Vitamin-E-Status niedrig sein [15]. Eine spezifische Wirkung gegen EHV ist nicht studienbelegt.
Selen ist Bestandteil der Glutathionperoxidase und arbeitet im antioxidativen System eng mit Vitamin E zusammen. Die therapeutische Breite ist jedoch eng — deutsche Böden sind häufig selenarm, aber eine Übersupplementierung ist toxisch. Selen sollte daher nur nach Blutbild und tierärztlicher Empfehlung ergänzt werden.
Zink ist Cofaktor von über 300 Enzymen und an zahlreichen Stoffwechselprozessen beteiligt, einschließlich der Funktion von Immunzellen. Pferde mit unausgewogener Raufutter- oder Mineralfutterversorgung profitieren oft von einer gezielten Zink-Anpassung nach Rationsberechnung.
Hagebutte wird in der Fütterungspraxis traditionell als Ergänzungsfuttermittel eingesetzt — eine spezifische Wirkung auf die Infektabwehr beim Pferd ist nicht studienbelegt.
Wichtig: Supplemente sind kein Ersatz für Impfung und Biosicherheit. Sie können eine bedarfsgerechte Versorgung sicherstellen, aber nicht vor Infektion schützen. Besprich geplante Ergänzungen immer mit deinem Tierarzt — insbesondere bei Pferden, die bereits erkrankt sind oder Medikamente erhalten.
Fazit
Das Equine Herpesvirus ist weit verbreitet, aber mit den richtigen Maßnahmen gut kontrollierbar. Die meisten infizierten Pferde zeigen nur milde Symptome und erholen sich vollständig. Die Core-Impfung schützt nicht absolut, reduziert aber die Viruslast und die Schwere der Erkrankung erheblich — und sie ist in vielen Bundesländern Voraussetzung für Beihilfen aus der Tierseuchenkasse. Im Zuchtbetrieb ist sie dabei ein nennenswerter Kostenfaktor, und Sorgen vor Impfreaktionen sollten ernst genommen, aber sachlich eingeordnet werden. Kombiniert mit konsequenter Quarantäne (21 Tage nach letzter Fieberreaktion), täglicher Temperaturkontrolle bei Risikosituationen und einer bedarfsgerechten Fütterung minimierst du das Risiko für deinen Bestand. Bei neurologischen Symptomen zählt jede Minute — je früher du handelst, desto besser stehen die Chancen für dein Pferd.
Dieser Artikel ersetzt keine tierärztliche Beratung.
Quellen
- [1] StIKo Vet am FLI — Leitlinie zur Impfung von Pferden, 5. Auflage, Stand 06.01.2025. tieraerzteverband.de
- [2] Klouth E, Goehring LS et al. — Epidemiology of EHV-1 outbreaks. Viruses 2022. PMC9695031
- [3] Goehring LS et al. — Equine herpesvirus type 1-associated myeloencephalopathy in The Netherlands: a four-year retrospective study. J Vet Intern Med 2006. PubMed
- [4] Edington N, Bridges CG, Patel JR — Endothelial cell infection and thrombosis in paralysis caused by equid herpesvirus-1: equine stroke. Equine Vet J 1986. PubMed
- [5] Cuesta-Torrado M et al. — Clinical findings and outcome of horses affected by EHV-1 (Valencia outbreak 2021). J Vet Intern Med 2025 (Case-Fatality-Rate ~12 % bei 89 EHM-Pferden).
- [6] Lunn DP et al. — Equine herpesvirus-1 consensus statement. J Vet Intern Med 2009 (mit aktualisiertem Update 2024). PubMed
- [7] Merck Veterinary Manual — Equine Herpesvirus Infection. merckvetmanual.com
- [8] UC Davis Center for Equine Health — Equine Herpes Virus 1 Myeloencephalopathy (EHM). ceh.vetmed.ucdavis.edu
- [9] USDA APHIS — Equine Herpesvirus Myeloencephalopathy: A Brief Pathogenesis Review. Fact Sheet (Umweltüberleben in feuchten Bereichen bis ~3 Wochen, Quarantäne-Empfehlungen). aphis.usda.gov
- [10] American Association of Equine Practitioners (AAEP) — Biosecurity Guidelines for Horses. aaep.org
- [11] Zoetis — Equip EHV 1,4: Fachinformation/Beipackzettel (zugelassener inaktivierter EHV-1/EHV-4-Impfstoff, Dokumentation der Impfreaktionen). Pharmakovigilanz-Meldungen für Tierarzneimittel: BVL. bvl.bund.de
- [12] Tierseuchenkassen der Bundesländer — Beitrags- und Leistungssatzungen (z. B. Niedersächsische Tierseuchenkasse: Beihilfen für Pferdehaltung, oft an Impfschutz gekoppelt). niedersaechsische-tierseuchenkasse.de — Konditionen variieren je Bundesland.
- [13] Slater J — Equine herpesviruses 1 (EHV-1) and 4 (EHV-4): epidemiology, disease and immunoprophylaxis: a brief review. Vet J 2005 (historische Übersicht; ergänzend zu aktuellen Quellen). PubMed
- [14] Kydd JH et al. — EHV-1 replication at the upper respiratory entry site is inhibited by neutralizing EHV-1-specific IgG1 and IgG4/7 mucosal antibodies. PubMed 2024 (mukosale Immunität, Wirkmechanismus der Vakzine). PubMed
- [15] National Research Council (NRC) — Nutrient Requirements of Horses, 6th rev. ed. National Academies Press, Washington 2007 (Standardwerk; Vitamine, Spurenelemente).
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