Was ist die Pferdegrippe – und warum ist sie so ansteckend?
Die Equine Influenza, im deutschsprachigen Raum auch als „Hoppegartener Husten" bekannt, gehört zu den hochansteckendsten Atemwegserkrankungen beim Pferd. Ausgelöst wird sie durch Influenza-A-Viren des Subtyps H3N8 (der frühere H7N7-Subtyp gilt seit den 1980er Jahren als ausgestorben) – ein Erreger, der sich rasend schnell von Pferd zu Pferd ausbreitet. Die Inkubationszeit beträgt nur ein bis drei Tage, danach bricht die Krankheit mit typischen Symptomen aus.
Aktuell zirkulieren weltweit primär zwei Subkladen: Florida Clade 1 und Florida Clade 2. OIE/WOAH und StIKo Vet empfehlen deshalb Impfstoffe, die beide Stämme abdecken – das ist der Hintergrund für den Hinweis weiter unten, dass ein möglichst aktueller Influenza-Impfstoff verwendet werden sollte.
Die Übertragung erfolgt hauptsächlich über Tröpfcheninfektion beim Husten – infektiöse Atemtröpfchen verbreiten sich typischerweise im Bereich von 30–50 Metern, unter günstigen Wetterbedingungen können sie aber über mehrere Hundert Meter schweben. Auch indirekte Ansteckung über kontaminierte Putzzeuge, Tränkeeimer oder Stallkleidung ist möglich. Das Virus kann auf Oberflächen bis zu drei Tage überleben, was die Eindämmung in Ställen mit vielen Pferden besonders herausfordernd macht.
In einer ungeimpften Pferdepopulation ohne vorherige Exposition liegt die Infektionsrate bei nahezu 100 Prozent – deshalb spricht man auch von explosionsartigen Ausbrüchen, wenn die Influenza einen Stall trifft.
Die typischen Symptome: Fieber, Husten, Nasenausfluss
Die Pferdegrippe beginnt meist schlagartig. Zu den klinischen Merkmalen gehören eine kurze Inkubationszeit von 1 bis 3 Tagen, hohes Fieber, Abgeschlagenheit und anfallsartiger Husten . Das Fieber kann bis zu 41 °C erreichen , begleitet von Appetitlosigkeit und Schwäche.
Der Husten ist oft das auffälligste Symptom: trocken, bellend, manchmal krampfartig. Er kann mehrere Wochen, in Einzelfällen bis zu 6 Wochen nach Abklingen aller anderen Symptome anhalten, weil das Flimmerepithel der Atemwege erst langsam wieder regenerieren muss.
Der Nasenausfluss beginnt zunächst klar und wässrig, wird aber bei Fortschreiten der Krankheit und bakterieller Kontamination mukopurulent (schleimig-eitrig) . Auch geschwollene Lymphknoten unter dem Kiefer sind typisch.
Gefährlich wird es, wenn sich Sekundärinfektionen entwickeln: Bakterielle Lungenentzündungen oder Brustfellentzündungen können die Folge sein, vor allem bei geschwächten oder jungen Pferden.
Wann solltest du den Tierarzt rufen?
Wenn dein Pferd Fieber über 38,5 °C zeigt, hustet oder klaren Nasenausfluss hat, miss sofort die Temperatur rektal (Normal: 37,5–38,2 °C). Bei Fieber ab 38,5 °C und Husten ruf den Tierarzt – er kann per PCR-Test (aus einem Nasen-/Rachenabstrich) oder Antigen-Schnelltest klären, ob es sich um Influenza handelt, und dich beraten, wie du andere Pferde im Stall schützt.
Wie lange ist ein Pferd ansteckend?
Infizierte Pferde scheiden das Virus in Nasensekreten bis zu 10 Tage lang aus , oft schon bevor die ersten Symptome sichtbar werden. Das macht die Früherkennung so wichtig: Sobald ein Pferd beginnt, Fieber zu entwickeln, kann es bereits andere anstecken.
Auch geimpfte Pferde können sich infizieren und das Virus weitergeben, meist aber mit deutlich milderem Verlauf und kürzerer Ausscheidungsdauer. Eine Impfung verhindert nicht immer die Infektion, kann aber den Schweregrad der Erkrankung reduzieren und die Genesungszeit verkürzen .
Impfung gegen Pferdegrippe: Was die StIKo Vet empfiehlt
Die Ständige Impfkommission Veterinärmedizin (StIKo Vet) stuft die Influenza-Impfung als Core-Impfung ein – jedes Pferd sollte sie erhalten . Das gilt neben Tetanus und Herpes als unverzichtbarer Grundschutz.
Impfintervalle nach StIKo Vet:
- Grundimmunisierung: Zwei Impfungen im Abstand von 4–6 Wochen, dann eine dritte nach 6 Monaten
- Auffrischung bei geringem Risiko (Freizeitpferde mit wenig Kontakt):
Intervall bis zu 12 Monaten kann ausreichend sein
- Auffrischung bei hohem Risiko (Turnierpferde, Ställe mit viel Pferdeverkehr):
Wiederholungsimpfung alle 6 Monate empfohlen
Wichtig: Bei jährlicher Impfung ist es laut StIKo Vet besonders wichtig, dass ein möglichst aktueller Influenza-Impfstoff verwendet wird , weil sich die Virusstämme durch Mutation ständig verändern.
Für Turnierpferde ist die Influenza-Impfung nach LPO (Leistungs-Prüfungs-Ordnung) der Deutschen Reiterlichen Vereinigung verpflichtend.
Behandlung: Ruhe, Zeit und symptomatische Unterstützung
Es gibt kein Medikament gegen das Virus selbst. Die Behandlung ist in erster Linie supportiv: Das Pferd braucht absolute Ruhe, frische Luft, saubere Einstreu und bei Bedarf NSAIDs wie Phenylbutazon oder Flunixin-Meglumin als fiebersenkende und entzündungshemmende Mittel.
Faustregel für die Schonung (BEVA, FN): Pro Tag mit Fieber wird eine Woche Schonzeit empfohlen – insgesamt jedoch mindestens 3 Wochen. Das bedeutet: Wenn dein Pferd drei Tage Fieber hatte, bleiben mindestens drei Wochen Boxenruhe ohne Reiten und ohne Training. Bei zwei Tagen Fieber gilt trotzdem das Drei-Wochen-Minimum. Das Flimmerepithel der Atemwege muss sich vollständig regenerieren, sonst drohen chronische Schäden oder bakterielle Folgeinfektionen.
Leicht betroffene Pferde erholen sich innerhalb von 2–3 Wochen vollständig; in schweren Einzelfällen kann die Rekonvaleszenz bis zu 6 Monate dauern.
Bei eitrigem Nasenausfluss, anhaltendem Fieber oder verschlechtertem Allgemeinzustand können Antibiotika nötig sein, um bakterielle Sekundärinfektionen zu bekämpfen.
So schützt du deinen Stall vor einem Ausbruch
Wenn ein Pferd im Stall erkrankt ist, zählt jede Stunde. Hier die wichtigsten Hygiene- und Quarantäne-Maßnahmen:
Sofortige Isolierung: Das betroffene Pferd muss räumlich getrennt werden – idealerweise in einer separaten Box mit eigenem Zugang. Keinen direkten Kontakt zu gesunden Pferden.
Strikte Hygiene: Verwende für das kranke Pferd eigenes Putzzeug, eigene Eimer, eigene Mistgabel. Das Virus wird durch gängige Desinfektionsmittel leicht abgetötet – reinige alle Oberflächen gründlich und desinfiziere nach Herstellerangaben.
Hände waschen: Wer das kranke Pferd versorgt, sollte sich vor Kontakt mit anderen Pferden gründlich Hände waschen oder Handdesinfektionsmittel verwenden.
Tägliche Fieberkontrolle: Miss bei allen Pferden im Stall täglich die Temperatur (rektal), um frühzeitig weitere Fälle zu erkennen.
Quarantäne für Neuzugänge: Zwei Wochen Isolation sind gängige Praxis, wenn Pferde in eine neue Umgebung gebracht werden – das deckt die Inkubationszeit der Influenza mehrfach ab.
Prognose: Meist gut, aber Zeit ist entscheidend
Die gute Nachricht: Influenza verläuft selten tödlich, außer bei Eseln, Zebras und geschwächten Pferden . Die meisten Pferde überstehen die Infektion ohne bleibende Schäden, wenn sie ausreichend geschont werden und keine Sekundärinfektionen auftreten.
Die schlechte Nachricht: Zu frühe Belastung oder verschleppte Fälle können zu chronischen Atemwegsproblemen, Lungenschäden oder langwierigen bakteriellen Infektionen führen. Deshalb ist Geduld in der Rekonvaleszenz so wichtig.
Fazit
Die Pferdegrippe ist kein Todesurteil, aber eine ernst zu nehmende Erkrankung mit hohem Ansteckungspotenzial. Die Kombination aus konsequenter Impfung, schneller Reaktion bei ersten Symptomen und strikter Stallhygiene schützt dein Pferd und den gesamten Bestand. Achte auf die Impfempfehlungen der StIKo Vet – besonders, wenn dein Pferd viel Kontakt zu anderen Pferden hat – und gib erkrankten Pferden die Zeit, die sie zur vollständigen Genesung brauchen.
Quellen
- [1] StIKo Vet – Leitlinie zur Impfung von Pferden, aktuelle Fassung 01.03.2023. https://www.openagrar.de/receive/openagrar_mods_00084459
- [2] Cullinane A, Newton JR – Equine influenza – a global perspective. Vet Microbiol. 2013;167(1–2):205–214. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/23680107/
- [3] Equine Influenza: Epidemiology, Pathogenesis, and Strategies. PMC 2024. https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC11946173/
- [4] FN – Pferde richtig impfen: Impfempfehlungen. https://www.pferd-aktuell.de/ausbildung/pferdehaltung/impfung
- [5] WOAH – Equine Influenza (2022). https://www.woah.org/en/disease/equine-influenza-2/
- [6] Merck Veterinary Manual – Equine Influenza (2024). https://www.merckvetmanual.com/respiratory-system/respiratory-diseases-of-horses/equine-influenza
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