Wenn Einreiten und Zahnen zusammenfallen
Dein dreijähriges Pferd ist bereit für die Ausbildung unter dem Sattel – aber genau jetzt beginnt eine Phase, in der sein Maul alles andere als komfortabel ist. Der Zahnwechsel vom Milch- zum bleibenden Gebiss fällt exakt mit dem Einreiten zusammen, und das ist kein Zufall der Natur, sondern eine echte Herausforderung für junge Pferde. Zwischen 2,5 und 5 Jahren werden 24 Zähne ausgetauscht [1], während gleichzeitig die Gewöhnung an Halfter, Trense und Gebiss stattfindet. Kein Wunder, dass viele Jungpferde in dieser Zeit maulig reagieren, das Gebiss verweigern oder plötzlich Kopfschütteln zeigen.
Die Zahnentwicklung vom Fohlen bis zum erwachsenen Pferd
Fohlen kommen mit 24 Milchzähnen auf die Welt – genauer gesagt mit 12 Milchschneidezähnen und 12 Milchbackenzähnen [2]. Erwachsene Pferde haben dagegen zwischen 36 und 44 bleibende Zähne, je nach Geschlecht und ob Wolfszähne vorhanden sind [2]. Die Eckzähne (Canini) und die hinteren Backenzähne (Molaren) haben keine Milchzahn-Vorgänger – sie brechen direkt als bleibende Zähne durch [3].
Der Zahnwechsel beginnt mit etwa 2,5 Jahren und ist normalerweise bis zum 5. Lebensjahr abgeschlossen [1]. In dieser Zeit passiert Enormes: Im ersten Jahr (etwa 2,5–3,5 Jahre) werden 8 Milchprämolaren (P2) und 4 Milchschneidezähne (I1) gewechselt; im darauf folgenden Jahr kommen P3, I2 und der erste echte Backenzahn-Durchbruch (M3) hinzu [3][4]. Insgesamt ist in der Phase zwischen 2,5 und 5 Jahren ein erheblicher Teil aller funktionellen Zähne in Bewegung — Berechnungen reichen je nach Definition von rund 50 % (nur erste Wechsel-Welle) bis 77 % (gesamte Zahnwechsel-Zeit) [1][4].
Welche Zähne wechseln wann?
Die Reihenfolge des Zahnwechsels folgt einem festen Muster:
Mit etwa 2,5 Jahren: Die mittleren Schneidezähne (I1) und die ersten Prämolaren (P2) werden gewechselt [3][4]. Das sind insgesamt 8 Zähne – schon das ist eine deutliche Belastung für das junge Pferd.
Mit etwa 3 Jahren: Die zweiten Prämolaren (P3) werden gewechselt [3][4].
Mit etwa 3,5 Jahren: Die zweiten Schneidezähne (I2) werden gewechselt, gleichzeitig erscheint der dritte Molar (M3) – als bleibender Zahn ohne Milchzahn-Vorgänger [2][3].
Mit etwa 4 Jahren: Die vierten Prämolaren (P4) werden als letzte Prämolaren gewechselt [3][4].
Zwischen 3,5 und 5 Jahren: Die Eckzähne (Canini) brechen durch – bei nahezu allen Hengsten und Wallachen, bei nur etwa 20–28 % der Stuten, dort oft nur rudimentär [2][4].
Mit etwa 4,5 Jahren: Die äußeren Schneidezähne (I3) werden als letzte der Schneidezähne gewechselt [1].
Mit 5–5,5 Jahren: Das Gebiss ist vollständig gewechselt, alle permanenten Zähne stehen in Reibung [1].
Wolfszähne – kleine, rudimentäre erste Prämolaren (P1) – brechen deutlich früher durch, typischerweise mit etwa 5–6 Monaten [2]. Sie sind ein evolutionäres Überbleibsel und kommen je nach Studie bei etwa 15–50 % aller Pferde vor, hauptsächlich im Oberkiefer [2][6]. Im Unterkiefer sind Wolfszähne deutlich seltener, dort aber bei Berührung oft besonders schmerzhaft — was für die Gebiss-Auswahl relevant ist [6].
Was passiert während des Zahnens?
Beim Zahnwechsel löst sich der Milchzahn von der Wurzel her auf, während der bleibende Zahn von unten nachschiebt. Übrig bleibt die sogenannte Milchzahnkappe – eine dünne Schale, die auf dem durchbrechenden permanenten Zahn sitzt [3]. Normalerweise fällt diese Kappe durch den Druck des nachschiebenden Zahnes von selbst aus. Manchmal bleiben jedoch Kappen oder Kappenfragmente zurück und behindern den Durchbruch des neuen Zahnes [3].
Typische Symptome beim Zahnen
Nicht jedes Pferd zeigt deutliche Anzeichen, aber die folgenden Symptome sind während des Zahnwechsels häufig:
Schwellungen am Unterkiefer: Sogenannte „Bumps" oder „Knäste" entstehen, wenn Milchzahnkappen fest auf den nachschiebenden Zähnen sitzen und die Zahnwurzel in Richtung Kieferknochen drückt [3]. Diese harten Verdickungen am Unterkieferrand sind in der Regel harmlos, solange sie den Kauvorgang nicht beeinflussen [4].
Schaukelzähne und Speicheln: Lockere Milchzähne können beim Kauen wackeln und Unbehagen verursachen. Pferde speicheln dann vermehrt oder spielen ständig mit der Zunge [3].
Maulgeruch: Unter den Milchzahnkappen sammeln sich Futterreste an, die im Laufe der Zeit zu Verrottung führen können [3]. Ein ungewöhnlich starker Maulgeruch ist ein Warnsignal.
Fressunlust oder langsames Fressen: Wenn Kauen schmerzhaft ist, meiden Pferde hartes Futter oder bilden sogenannte „Heuwickel" – kleine Knäule von Heu, die sie beim Fressen verlieren. Der englische Fachterminus ist Quidding — wenn die Tierärztin diesen Begriff verwendet, ist genau das gemeint [3].
Rittigkeitsprobleme und Kopfschütteln: Lockere Milchzähne haben starke negative Auswirkungen auf das Maulgefühl bei jeder Kiefer- und Zungenbewegung [1]. Das macht sich unter dem Sattel als plötzliche Mauligkeit, Verwerfung im Genick oder Verweigerung der Anlehnung bemerkbar [3].
Wichtig: Diese Symptome können auch auf echte Zahnerkrankungen hinweisen. Bei einseitigem eitrigem Nasenausfluss, starken Schwellungen, Gewichtsverlust oder anhaltendem Futterverweigerung gehört das Pferd sofort zum Tierarzt [4].
Das Übergangsgebiss beim Einreiten – warum diese Phase so sensibel ist
Die meisten Pferde werden zwischen 3 und 4 Jahren angeritten – genau in der intensivsten Phase des Zahnwechsels. Die Vorgänge beim Zahnwechsel finden ausschließlich im Bereich vor der Jochbeinleiste statt [1]. Hier wirken aber alle gebräuchlichen Halfter und Zäumungen mit unterschiedlich starkem Druck ein [1]. Wegen des Wechsels der ersten Backenzähne kann der Einsatz eines Gebisses für ein dreijähriges Pferd sehr unangenehm sein [1].
Milchzähne sind weniger stark mineralisiert als bleibende Zähne und damit anfälliger für Kantenbildung, wenn der Abrieb durch lockere Zähne, Milchkappen oder einseitiges Kauen ungleichmäßig wird [4]. Gleichzeitig sind die durchbrechenden permanenten Zähne noch empfindlich. Die Kombination aus lockeren Milchzähnen, Milchzahnkappen, scharfen Kanten und empfindlichem Zahnfleisch macht das Maul des Jungpferdes extrem sensibel.
Kappenrisse: Milchzahnkappen können brechen, und die Splitter verbleiben im Zahnfleisch [3]. Wenn diese Splitter ungünstig liegen, können sie jahrelang Schmerzen verursachen und die Entwicklung des bleibenden Zahnes negativ beeinflussen [1].
Probleme mit der Anlehnung: Ein Pferd, das Schmerzen im Maul hat, wird sich nicht vertrauensvoll ans Gebiss herantreten. Stattdessen zeigt es Abwehrverhalten – Kopfschlagen, Zungenfehler, Verwerfung im Genick oder vollständige Gebissverweigerung [3].
Welche Trense passt zum Übergangsgebiss?
Während des Zahnwechsels gilt: So sanft wie möglich.
Anatomisch geformte Gebisse: Gebisse mit geschwungener Form folgen der natürlichen Zungenkontur und können bei vielen Pferden Druckspitzen reduzieren. Die Evidenz, dass anatomische Gebisse generell besser sind, ist jedoch nicht eindeutig — Studien (z. B. Manfredi et al. 2010, Cross et al. 2017) zeigen, dass die Verträglichkeit individuell variiert. Bei empfindlichen Jungpferden ist ein anatomisches Mundstück oft die bessere Wahl als eine gerade Wassertrense, aber kein Automatismus.
Weiche Materialien: Gummi, Kunststoff oder flexible Metalllegierungen sind nachgiebiger als starres Edelstahl. Wichtig: Das Gebiss muss trotzdem bruchfest sein – minderwertige Materialien haben im Pferdemaul nichts verloren.
Gebisslos in der Übergangszeit: Viele Ausbilder setzen während der intensivsten Zahnwechsel-Phasen gebisslose Zäumungen ein [1]. Sidepull, Knotenhalfter oder Hackamore vermeiden direkten Druck auf die empfindlichen Zähne. Aber auch hier gilt: Alle gebräuchlichen Halfter und Zäumungen wirken im Bereich vor der Jochbeinleiste – der Zahnwechsel-Zone [1]. Gebisslos ist also keine Zauberformel, aber oft eine sinnvolle Entlastung.
Timing ist alles: Wenn die ersten Backenzähne gerade gewechselt werden, ist eine Pause vom Gebiss ratsam. Nach abgeschlossenem Wechsel der vordersten Backenzähne und überprüftem Maul (keine verbliebenen Milchkappenfragmente) kann die Grundausbildung beginnen [1]. Die nächste Wechsel-Serie folgt in etwa 4–5 Monaten – dann muss wieder besonders aufmerksam auf Rittigkeitsprobleme, Maulgeruch und Futteraufnahme geachtet werden [1].
Wolfszähne – das unsichtbare Problem
Wolfszähne sind kleine, stiftförmige Zähne, die direkt vor dem ersten regulären Backenzahn (P2) liegen [2]. Sie sind ein evolutionäres Überbleibsel und haben keine Funktion bei der Nahrungsaufnahme [2]. Das Problem: Sie liegen genau dort, wo das Gebiss liegt [2].
Wolfszähne können sehr unterschiedlich ausgeprägt sein – von einem kleinen Zahnstift, der nur lose im Gewebe steckt, bis zu voll entwickelten Zähnchen mit gebogener Wurzel [2]. Manche Wolfszähne sind vom Zahnfleisch verdeckt und werden „blinde Wolfszähne" (englisch blind wolf teeth, auch „impaktierte Wolfszähne") genannt [2][6]. Diese lassen sich nur durch Tasten oder Röntgen finden [2]. Klinisch sind sie besonders relevant: Weil sie unter dem Zahnfleisch auf das Periost (Knochenhaut) drücken können, gehören sie beim Reiten oft zu den problematischsten Wolfszahn-Varianten [6].
Warum Wolfszähne Probleme machen: Weil sie häufig nur locker in der Schleimhaut sitzen, können sie sich bei Kontakt mit dem Gebiss bewegen und dabei eine Schleimhautfalte zwischen sich und dem ersten regulären Backenzahn einklemmen [2]. Das ist schmerzhaft und trägt beim jungen Pferd nicht dazu bei, sich vertrauensvoll ans Gebiss zu gewöhnen [2].
Wann müssen sie raus? Nicht jeder Wolfszahn muss entfernt werden. Handelt es sich um ein erwachsenes Pferd ohne Anlehnungs-Probleme und ohne Mauligkeit, können die Wolfszähne verbleiben [6]. Um unangenehme Erfahrungen mit dem Gebiss für junge Pferde zu vermeiden, ist es jedoch empfehlenswert, störende Wolfszähne bereits vor dem Anreiten zu entfernen [6]. Der etablierte Zeitkorridor in der modernen Pferdezahnmedizin liegt bei 12 bis 24 Monaten, also deutlich vor dem klassischen Anreite-Alter [6]. Hintergrund: Bereits ab dem zweiten Lebensjahr beginnt die Verknöcherung des Zahnhalteapparats, sodass die Extraktion mit jedem weiteren Monat aufwendiger wird; zwischen drittem und fünftem Lebensjahr ist sie deutlich anspruchsvoller als bei jüngeren Pferden [2][6].
Die Entfernung erfolgt unter Sedierung und örtlicher Betäubung [2]. Nach der Extraktion sollte das Pferd 10–14 Tage nicht mit Gebiss geritten werden [6].
Zahnkontrolle vor und während des Einreitens – ein Muss
Zweimal jährliche Zahnkontrollen sind während der Zahnwechsel-Phase zwischen 2 und 5 Jahren unverzichtbar [4][5]. Pferde dieser Altersgruppe sollten häufiger untersucht werden als jüngere oder ältere Pferde [4][5].
Wann zum Zahnarzt?
- Mit etwa 2,5 Jahren, vor Beginn der Gewöhnung an das Gebiss: Kontrolle, ob der Wechsel der vordersten Backenzähne bereits stattgefunden hat und ob verbliebene Milchkappenfragmente entfernt werden müssen [1].
- Nach abgeschlossenem Wechsel der mittleren Schneidezähne und der vordersten Backenzähne (ca. 3 Jahre): Wenn akut kein Zahnwechsel ansteht, kann mit der Grundausbildung begonnen werden [1].
- Alle 4–6 Monate während der gesamten Zahnwechsel-Phase: Aufmerksam auf Rittigkeitsprobleme, Maulgeruch, Futteraufnahme-Auffälligkeiten und tränende Augen achten [1]. Tränende Augen können auftreten, wenn der Tränennasengang durch die Zahnentwicklung eingeengt wird oder ein festsitzender Milchzahn den bleibenden Backenzahn am Durchbrechen hindert [1].
Die Extraktion von Milchzahnkappen muss gegebenenfalls in Erwägung gezogen werden, da sie unter bestimmten Umständen eine wesentliche Erleichterung herbeiführt [1]. Allerdings sollten fest sitzende Milchzahnkappen keinesfalls prophylaktisch entfernt werden, um späteren Rittigkeitsproblemen vorzubeugen [1]. Ein vorzeitiger Verlust von Milchzähnen kann die Entwicklung des bleibenden Zahnes nachteilig beeinflussen [1]. Die Entscheidung gehört in die Hand des Tierarztes mit Zusatzausbildung in Pferdezahnmedizin.
Maul-Sichtkontrolle für Pferdebesitzer – was kann ich selbst sehen?
Du kannst das Maul deines Pferdes vorsichtig selbst inspizieren, auch ohne professionelle Ausrüstung:
Wie öffne ich das Maul? Stell dich seitlich neben den Kopf deines Pferdes. Führe eine Hand sanft in den zahnlosen Bereich (Diastema) zwischen Schneidezähnen und Backenzähnen – dort, wo normalerweise das Gebiss liegt. Mit leichtem Druck auf die Zunge öffnet das Pferd meist von selbst das Maul. Alternativ kannst du mit dem Daumen vorsichtig auf das Zahnfleisch im zahnlosen Bereich drücken.
Wichtiger Sicherheitshinweis: Wenn dein Pferd den Eingriff nicht ruhig toleriert, zuckt, mit dem Kopf hochschlägt oder deutliche Abwehr zeigt — brich ab. Das kann ein Hinweis auf akute Schmerzen sein und gehört in tierärztliche Hand. Bei empfindlichen oder schmerzhaft erkrankten Pferden besteht außerdem Bissgefahr — verlasse dich nicht darauf, dass dein sonst ruhiges Pferd auch jetzt ruhig bleibt. Junge, noch nicht zahnärztlich kontrollierte Pferde reagieren oft unvorhersehbar auf Maul-Eingriffe.
Was kannst du sehen?
- Schneidezähne: Schau, ob lockere Zähne wackeln, ob Milchzahnkappen sichtbar sind (die Milchzähne sind kleiner und heller als die bleibenden).
- Wolfszähne: Im Oberkiefer, direkt vor dem ersten sichtbaren Backenzahn, kleine weiße Spitzen im Zahnfleisch – manchmal so klein wie ein Stecknadelkopf.
- Schwellungen und Rötungen: Entzündetes, gerötetes oder geschwollenes Zahnfleisch, besonders am Zahnfleischrand der Backenzähne.
- Verletzungen: Kleine Wunden an der Innenseite der Backe oder auf der Zunge, verursacht durch scharfe Zahnkanten.
Was kannst du NICHT sehen? Die Backenzähne liegen weit hinten und sind ohne Maulgatter und Lichtquelle kaum einsehbar. Blinde Wolfszähne, Kappenfragmente tief im Zahnfleisch und innere Zahnschäden bleiben dir verborgen. Deshalb ersetzt die Sichtkontrolle durch den Besitzer niemals die professionelle Zahnkontrolle.
Unterstützung während des Zahnwechsels – Fütterung und Supplemente
Während des Zahnwechsels ist bedarfsgerechte Fütterung wichtig. Pferde, die schlecht fressen, freuen sich über ein weiches Mash oder eingeweichte Heucobs, sodass sie nicht auf dem schmerzenden Zahn rumbeißen müssen [3]. Umgekehrt ist es oft ein Zeichen für einen durchbrechenden Zahn, wenn das Pferd plötzlich alles ankaut – ein dickes Tau oder ein paar ungiftige Äste zum Kauen werden dann gerne genommen [3].
Kalzium und Phosphor: In der Wachstumsphase ist eine angepasste Versorgung mit Kalzium und Phosphor ohnehin wichtig – beide Mineralstoffe sind als Hydroxylapatit zentraler Baustein von Zahnschmelz und Knochen. Beim Pferd ist dabei das Verhältnis Ca:P im Heu kritischer als die Einzelwerte — empfohlen wird ein Verhältnis von etwa 1,5:1 bis 2:1 (Faustregel). Eine Überversorgung ist jedoch genauso problematisch wie ein Mangel. Die Bedarfswerte sollten durch eine ausgewogene Heuration und ein passendes Mineralfutter für Jungpferde gedeckt werden, nicht durch isolierte Supplemente ohne tierärztliche Empfehlung.
Entzündungshemmende Kräuter: Bei starken Beschwerden während des Zahnwechsels werden manchmal Kamille oder andere beruhigende Kräuter eingesetzt. Die Evidenz für eine therapeutische Wirkung ist beim Pferd jedoch schwach. Wenn dein Pferd deutliche Schmerzen zeigt, gehört es zum Tierarzt – nicht in die Kräuterapotheke.
Priorität bleibt die tierärztliche Versorgung. Supplemente können eine sinnvolle Ergänzung sein, sie ersetzen aber niemals die professionelle Zahnkontrolle und gegebenenfalls die Extraktion von Wolfszähnen oder Milchzahnkappen.
Fazit
Der Zahnwechsel fällt nicht zufällig mit dem Einreiten zusammen – er ist eine biologische Tatsache, die wir in der Ausbildung junger Pferde berücksichtigen müssen. Zwischen 2,5 und 5 Jahren ist ein erheblicher Teil aller Zähne in Bewegung (Berechnungen reichen je nach Definition von rund 50 % bis 77 %), lockere Milchzähne schmerzen, und Wolfszähne können das Gebiss zur Qual machen. Wer diese Phase ignoriert, riskiert, dass das Jungpferd eine negative Verknüpfung mit dem Gebiss entwickelt – und das lässt sich später nur schwer korrigieren. Zweimal jährliche Zahnkontrollen, rechtzeitige Wolfszahn-Extraktion, sanfte Gebisse oder gebisslose Phasen und aufmerksame Beobachtung machen den Unterschied zwischen einem vertrauensvollen Start unter dem Sattel und einem mauligen, kopfschüttelnd abwehrenden Pferd.
Dieser Artikel ersetzt keine tierärztliche Beratung.
Quellen
- IGFP e.V. – Milchzähne beim Pferd. igfp-ev.de
- Merck Veterinary Manual – Dental Development of Horses. Merck Vet Manual
- Dixon PM et al. – A review of equine dental disorders. Vet J 2005. PMID 15727909
- Dixon PM & du Toit N. – Equine Dentistry, 3rd ed. Saunders/Elsevier 2011. Standardwerk der Pferdezahnmedizin (Kapitel zu Zahnentwicklung, Milchzahnkappen und Backenzahn-Eruption).
- Midwest Veterinary Dental Services – Young Horse Dentistry. midwestvetdental.com (ergänzend AAEP-Empfehlungen zur Jungpferd-Zahnkontrolle).
- Easley J. – Wolf teeth: anatomy, extraction techniques and clinical relevance. Equine Veterinary Education (Reviews zur Wolfszahn-Anatomie, Extraktion und „blind wolf teeth").